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Festigkeitslehre

Spannung, Verformung, Biegung, Torsion, Knicken

Die Festigkeitslehre beantwortet die Frage, ob ein Bauteil die Lasten aushält, für die es gedacht ist – und wie stark es sich dabei verformt. Dazu werden äußere Kräfte und Momente auf innere Spannungen zurückgeführt und mit den Kennwerten des Werkstoffs verglichen. Der Weg führt fast immer über dieselben Schritte: Belastung bestimmen, Querschnittswerte ermitteln, Spannung berechnen, mit der zulässigen Spannung vergleichen und zum Schluss die Verformung kontrollieren.

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Dieser Bereich bündelt die Grundformeln, die in Werkstatt, Planungsbüro und auf der Baustelle täglich gebraucht werden: Zug, Druck, Scherung und Flächenpressung, Dehnung und Hookesches Gesetz, Wärmedehnung, die Querschnittswerte von Rechteck, Kreis und Rohr, Biegemoment und Durchbiegung der wichtigsten Balkenfälle, Torsion von Wellen, die Eulersche Knicklast und schließlich Sicherheit und zulässige Spannung.

Alle Rechner arbeiten in den praxisüblichen Einheiten des Maschinen- und Stahlbaus: Kräfte in N, Längen in mm, Spannungen und E-Modul in N/mm² (identisch mit MPa), Momente in N·mm. Die Beispiele zeigen jeweils, wie kN, m, kN·m und cm⁴ sauber umgerechnet werden – denn die meisten Fehler in der Festigkeitsrechnung sind Einheitenfehler.

Die Formeln gelten für den linear-elastischen Bereich, also solange die Spannung unterhalb der Streckgrenze bleibt und die Verformungen klein sind. Für Ermüdung, Kerbwirkung, Beulen dünnwandiger Querschnitte oder den plastischen Bereich sind weiterführende Nachweise nach den jeweiligen Regelwerken erforderlich (z. B. DIN EN 1993 für den Stahlbau, DIN EN 1995 für Holz, DIN 743 für Wellen).

Spannung & Dehnung

7 Formeln

Zug- und Druckspannung

Welche Normalspannung erzeugt eine Kraft F im Querschnitt A?
Umstellen nach

Wird ein Stab in seiner Längsachse durch eine Kraft F belastet, verteilt sich diese Kraft gleichmäßig über den Querschnitt A. Die dabei entstehende Normalspannung σ (sigma) ist der Quotient aus Kraft und Fläche. Sie ist die zentrale Vergleichsgröße der Festigkeitslehre: Erst der Bezug auf die Fläche macht Belastungen unterschiedlicher Bauteile vergleichbar und erlaubt den Abgleich mit Werkstoffkennwerten wie der Streckgrenze.

Vorzeichenkonvention: Zugkräfte und Zugspannungen werden positiv, Druckkräfte und Druckspannungen negativ angesetzt. Die Einheit N/mm² ist identisch mit MPa (1 N/mm² = 1 MPa = 10⁶ N/m²).

Typische Anwendungen sind Zugstäbe von Abspannungen, Zuganker, Schraubenschäfte und Seile sowie gedrückte Stützen und Pendelstäbe – bei Druck allerdings nur, solange der Stab gedrungen genug ist, um nicht zu knicken.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
NormalspannungZugspannung (positiv) oder Druckspannung (negativ); 1 N/mm² = 1 MPaN/mm²
NormalkraftKraft in Stabachse; Zug positiv, Druck negativ (1 kN = 1 000 N)N
Querschnittsflächetragender Querschnitt senkrecht zur Kraft (bei Bohrungen oder Gewinde der kleinste Querschnitt)mm²

Rechner

N/mm²
typisch: Baustahl im Betrieb: 50 … 200
N
mm²

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

GrafikSpannung über der Querschnittsfläche

Spannung über der QuerschnittsflächeArbeitspunkt bei A = 314,2 mm² und σ = 159,1 N/mm².04006000200400600A in mm²σ in N/mm²159,1314,2
Beispiel: ≈ 159 N/mm² (159 MPa)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Der Zugstab einer Abspannung für eine Rohrbrücke besteht aus Rundstahl mit 20 mm Durchmesser und wird mit 50 kN auf Zug belastet. Wie groß ist die Zugspannung im Stab?

  1. Querschnitt des Rundstahls: A = π · d² / 4 = π · (20 mm)² / 4 ≈ 314,2 mm².
  2. Kraft umrechnen: F = 50 kN = 50 000 N.
  3. Formel: σ = F / A.
  4. Einsetzen: σ = 50 000 N / 314,2 mm² ≈ 159,1 N/mm² (= 159,1 MPa).
  5. Bewertung: Bei S235 (R_e = 235 N/mm²) verbleibt eine Sicherheit gegen Fließen von 235 / 159,1 ≈ 1,5.

Ergebnis: ≈ 159 N/mm² (159 MPa)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für gleichmäßig über den Querschnitt verteilte Spannung, also bei zentrischem Kraftangriff und ausreichend weit entfernt von Krafteinleitungsstellen, Kerben und Bohrungen.
  • Bei Druckbelastung schlanker Stäbe ist zusätzlich der Knicknachweis zu führen (siehe Eulersche Knicklast).
  • Bei Bohrungen oder Gewinden ist der kleinste tragende Querschnitt (Nettoquerschnitt bzw. Spannungsquerschnitt) einzusetzen.

Typische Fehler

  • kN statt N einsetzen (Faktor 1 000) oder cm² statt mm² (Faktor 100).
  • Beim Gewinde den Nenndurchmesser statt des Spannungsquerschnitts verwenden.
Verwandte Formeln:Quelle: Grundlagen der Festigkeitslehre, z. B. Tabellenbuch Metall; Roloff/Matek: MaschinenelementeEigene Seite

Dehnung

Wie stark verlängert sich ein Stab im Verhältnis zu seiner Ausgangslänge?
Umstellen nach

Die Dehnung ε (epsilon) setzt die Längenänderung ΔL eines Bauteils ins Verhältnis zu seiner Ausgangslänge L₀. Sie ist dimensionslos und beschreibt die Verformung unabhängig von der Bauteilgröße: Ein 1 m langer und ein 10 m langer Stab aus demselben Werkstoff dehnen sich unter gleicher Spannung um denselben Bruchteil ihrer Länge.

Weil die Werte im elastischen Bereich sehr klein sind, wird die Dehnung häufig in Promille (‰) oder Prozent (%) angegeben: ε = 0,001 entspricht 1 ‰ bzw. 0,1 %. Der Rechner arbeitet mit dem reinen Zahlenwert.

Vorzeichen: Verlängerung (Zug) positiv, Verkürzung (Druck) negativ. Die Dehnung wird mit Dehnungsmessstreifen gemessen und über das Hookesche Gesetz in Spannungen umgerechnet; sie ist zudem die Grundlage jeder Verformungsrechnung.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
DehnungLängenänderung bezogen auf die Ausgangslänge, dimensionslos; 0,001 = 1 ‰ = 0,1 %–
LängenänderungVerlängerung (positiv) oder Verkürzung (negativ)mm
AusgangslängeLänge des unbelasteten Stabsmm

Rechner

typisch: elastisch bei Stahl: 0,0002 … 0,0011
mm
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

DehnungEingespannter Stab unter Zug mit L 0 = 2 000 mm, ΔL = 1,5 mm, ε = 0,00075.L0​ = 2 000 mmΔL = 1,5 mmε = 0,00075ΔL überhöht dargestellt
Beispiel: 0,00075 (= 0,75 ‰ = 0,075 %)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Ein 2,0 m langer Zugstab einer Abspannung verlängert sich unter Last um 1,5 mm. Wie groß ist die Dehnung?

  1. Ausgangslänge umrechnen: L₀ = 2,0 m = 2 000 mm.
  2. Formel: ε = ΔL / L₀.
  3. Einsetzen: ε = 1,5 mm / 2 000 mm = 0,00075.
  4. In Promille bzw. Prozent: ε = 0,75 ‰ = 0,075 %.

Ergebnis: 0,00075 (= 0,75 ‰ = 0,075 %)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für gleichmäßige Dehnung über die gesamte Länge (konstanter Querschnitt, konstante Kraft, gleichmäßige Temperatur).
  • Im elastischen Bereich von Baustahl liegt die Dehnung unter etwa 0,1 bis 0,2 % (1 bis 2 ‰); größere Werte deuten auf plastische Verformung hin.

Typische Fehler

  • ΔL in mm, L₀ aber in m einsetzen – beide Längen müssen in derselben Einheit stehen.
  • Promille- und Prozentwerte verwechseln (1 % = 10 ‰).
Verwandte Formeln:Quelle: Grundlagen der Festigkeitslehre, z. B. Tabellenbuch MetallEigene Seite

Hookesches Gesetz

Spannung und Dehnung sind im elastischen Bereich proportional – der Faktor ist der E-Modul.
Umstellen nach

Das Hookesche Gesetz beschreibt den linear-elastischen Bereich eines Werkstoffs: Die Normalspannung σ ist proportional zur Dehnung ε. Der Proportionalitätsfaktor ist der Elastizitätsmodul E (kurz E-Modul), ein Werkstoffkennwert mit der Einheit einer Spannung. Je größer E, desto steifer der Werkstoff: Stahl (E ≈ 210 000 N/mm²) dehnt sich bei gleicher Spannung nur ein Drittel so stark wie Aluminium (E ≈ 70 000 N/mm²).

Das Gesetz gilt nur unterhalb der Proportionalitätsgrenze, praktisch also unterhalb der Streckgrenze. Wird diese überschritten, bleibt nach Entlastung eine plastische Verformung zurück, und der lineare Zusammenhang gilt nicht mehr.

In der Praxis wird das Hookesche Gesetz in beide Richtungen genutzt: um aus gemessenen Dehnungen (Dehnungsmessstreifen) auf Spannungen zu schließen und um aus Spannungen die Verformung von Bauteilen zu berechnen.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
NormalspannungZug- (positiv) oder Druckspannung (negativ) im elastischen BereichN/mm²
ElastizitätsmodulWerkstoffkennwert für die Steifigkeit (1 GPa = 1 000 N/mm²)N/mm²
Dehnungdimensionsloser Zahlenwert (0,001 = 1 ‰)–

Rechner

N/mm²
N/mm²
typisch: Stahl 210 000 · Aluminium 70 000 · Beton 30 000
typisch: 0,0001 … 0,002

Ergebnis

Rechenweg

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GrafikSpannungs-Dehnungs-Gerade im elastischen Bereich

Spannungs-Dehnungs-Gerade im elastischen BereichArbeitspunkt bei ε = 0,00075 und σ = 157,5 N/mm². Kurven für Stahl, Aluminium, Beton.010020030000,00050,0010,0015εσ in N/mm²157,50,00075StahlAluminiumBeton
Beispiel: 157,5 N/mm²

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Der Zugstab aus Stahl (E = 210 000 N/mm²) aus dem vorigen Beispiel zeigt eine gemessene Dehnung von 0,00075. Welche Spannung herrscht im Stab?

  1. Gegeben: E = 210 000 N/mm², ε = 0,00075 (dimensionslos, entspricht 0,75 ‰).
  2. Formel: σ = E · ε.
  3. Einsetzen: σ = 210 000 N/mm² · 0,00075 = 157,5 N/mm².
  4. Plausibilität: 157,5 N/mm² liegt unter der Streckgrenze von S235 (235 N/mm²), der Stab bleibt im elastischen Bereich – das Hookesche Gesetz ist anwendbar.

Ergebnis: 157,5 N/mm²

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt nur im linear-elastischen Bereich, also unterhalb der Streckgrenze bzw. Proportionalitätsgrenze.
  • E ist bei Stahl nahezu unabhängig von der Festigkeitsklasse: S235 und S355 haben denselben E-Modul von rund 210 000 N/mm².
  • Bei Beton und Holz ist E stark von Güte, Feuchte und Belastungsrichtung abhängig (Nadelholz längs zur Faser etwa 11 000 N/mm², quer dazu deutlich weniger).

Typische Fehler

  • Dehnung in Prozent oder Promille statt als reinen Zahlenwert einsetzen (0,075 % = 0,00075).
  • E-Modul in kN/mm² oder GPa einsetzen (210 GPa = 210 000 N/mm²).
Verwandte Formeln:Quelle: Grundlagen der Festigkeitslehre, z. B. Tabellenbuch Metall; Roloff/Matek: MaschinenelementeEigene Seite

Längenänderung unter Last

Um wie viel verlängert oder verkürzt sich ein Stab unter der Kraft F?
Umstellen nach

Die Längenänderung ΔL eines Zug- oder Druckstabs ergibt sich aus der Verknüpfung von Spannungsformel, Hookeschem Gesetz und Dehnungsdefinition: σ = F / A, ε = σ / E und ΔL = ε · L. Zusammengefasst wird daraus ΔL = F · L / (E · A). Das Produkt E · A heißt Dehnsteifigkeit und beschreibt, wie stark sich ein Stab einer Längenänderung widersetzt.

Die Formel gilt für Stäbe mit konstantem Querschnitt und konstanter Normalkraft im linear-elastischen Bereich. Zugkräfte (positiv) führen zu einer Verlängerung, Druckkräfte (negativ) zu einer Verkürzung.

In der Praxis wird so die Verformung von Zugankern, Abspannungen, Stützen und Schrauben berechnet – etwa um zu prüfen, ob die Dehnung einer Abspannung mit den zulässigen Verschiebungen verträglich ist, oder um die Verlängerung einer Schraube beim Anziehen zu bestimmen.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
LängenänderungVerlängerung (positiv bei Zug) oder Verkürzung (negativ bei Druck)mm
NormalkraftKraft in Stabachse; Zug positiv, Druck negativN
StablängeLänge des unbelasteten Stabsmm
ElastizitätsmodulWerkstoffkennwertN/mm²
Querschnittsflächekonstanter Querschnitt des Stabsmm²

Rechner

mm
N
mm
N/mm²
typisch: Stahl 210 000 · Aluminium 70 000
mm²

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Längenänderung unter LastEingespannter Stab unter Zug mit L = 6 000 mm, ΔL = 4,547 mm, F = 50 000 N, E = 210 000 N/mm², A = 314,2 mm².F = 50 000 NL = 6 000 mmΔL = 4,547 mmE = 210 000 N/mm²A = 314,2 mm²ΔL überhöht dargestellt
Beispiel: ≈ 4,55 mm

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Der Zugstab einer Rohrbrücken-Abspannung aus Rundstahl S235 (d = 20 mm) ist 6,0 m lang und wird mit 50 kN belastet. Um wie viel verlängert er sich?

  1. Umrechnen: F = 50 kN = 50 000 N; L = 6,0 m = 6 000 mm; A = π · (20 mm)² / 4 ≈ 314,2 mm²; E = 210 000 N/mm² (Stahl).
  2. Formel: ΔL = F · L / (E · A).
  3. Einsetzen: ΔL = 50 000 N · 6 000 mm / (210 000 N/mm² · 314,2 mm²) = 3,0 · 10⁸ / 6,598 · 10⁷ mm ≈ 4,55 mm.
  4. Kontrolle über die Dehnung: ε = ΔL / L = 4,55 mm / 6 000 mm ≈ 0,00076, also 0,76 ‰ – elastischer Bereich.

Ergebnis: ≈ 4,55 mm

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für konstanten Querschnitt, konstante Normalkraft und linear-elastisches Verhalten (σ unterhalb der Streckgrenze).
  • Das Eigengewicht des Stabs ist nicht berücksichtigt; bei langen hängenden Stäben oder Seilen kann es relevant sein.
  • Bei Seilen ist statt E der deutlich kleinere Seil-E-Modul des Herstellers zu verwenden.

Typische Fehler

  • L in m und A in mm² mischen – alle Längen in mm, dann kommt ΔL in mm heraus.
  • E in GPa oder kN/mm² einsetzen (210 GPa = 210 000 N/mm²).
Verwandte Formeln:Quelle: Grundlagen der Festigkeitslehre, z. B. Tabellenbuch Metall; Roloff/Matek: MaschinenelementeEigene Seite

Wärmedehnung

Wie stark dehnt sich ein Bauteil bei einer Temperaturänderung aus?
Umstellen nach

Nahezu alle Werkstoffe dehnen sich bei Erwärmung aus und ziehen sich bei Abkühlung zusammen. Die Längenänderung ΔL ist proportional zur Ausgangslänge L, zur Temperaturänderung ΔT und zum Längenausdehnungskoeffizienten α (alpha), einem Werkstoffkennwert in 1/K. Für Stahl beträgt α rund 12 · 10⁻⁶ 1/K: Ein 1 m langer Stahlstab wird je Kelvin um 0,012 mm länger.

Vorzeichenkonvention: ΔT = T_Ende − T_Anfang. Erwärmung ergibt eine positive, Abkühlung eine negative Längenänderung. Da Temperaturdifferenzen in K und °C gleich groß sind, kann ΔT direkt aus °C-Werten gebildet werden.

Die Wärmedehnung ist für Rohrleitungen, Rohrbrücken, Fassaden, Schienen und Brücken ein Bemessungsfall: Wird die Dehnung behindert, entstehen Zwängungsspannungen, die sich mit dem Hookeschen Gesetz berechnen lassen (σ = E · α · ΔT) und erhebliche Kräfte erreichen können. Deshalb werden Dehnungsausgleicher, Festpunkte und Gleitlager vorgesehen.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
LängenänderungVerlängerung (positiv bei Erwärmung) oder Verkürzung (negativ bei Abkühlung)mm
LängenausdehnungskoeffizientWerkstoffkennwert; Tabellenwert in 10⁻⁶ 1/K mit 0,000001 multiplizieren1/K
AusgangslängeLänge bei Ausgangstemperatur (z. B. Abstand zweier Festpunkte)mm
TemperaturänderungEndtemperatur minus Anfangstemperatur (1 K = 1 °C Unterschied)K

Rechner

mm
1/K
typisch: Stahl 0,000012 · Aluminium 0,000023 · PVC 0,00008
mm
K

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

GrafikLängenänderung über der Temperaturänderung

Längenänderung über der TemperaturänderungArbeitspunkt bei ΔT = 50 K und ΔL = 36 mm. Kurven für Stahl, Aluminium, PVC.050100150020406080100ΔT in KΔL in mm3650StahlAluminiumPVC
Beispiel: 36 mm

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Stahlrohrleitung auf einer Rohrbrücke ist zwischen zwei Festpunkten 60 m lang. Sie wird bei 10 °C montiert und im Betrieb auf 60 °C erwärmt. Um wie viel verlängert sich das Rohr?

  1. Umrechnen: L = 60 m = 60 000 mm; ΔT = 60 °C − 10 °C = 50 K; α (Stahl) = 12 · 10⁻⁶ 1/K = 0,000012 1/K.
  2. Formel: ΔL = α · L · ΔT.
  3. Einsetzen: ΔL = 0,000012 1/K · 60 000 mm · 50 K = 36 mm.
  4. Folgerung: Die 36 mm müssen durch Dehnungsausgleicher (Kompensatoren, Dehnungsbögen) aufgenommen werden. Bei vollständiger Behinderung entstünde eine Zwängungsspannung σ = E · α · ΔT = 210 000 N/mm² · 0,000012 1/K · 50 K = 126 N/mm².

Ergebnis: 36 mm

Gültigkeit & Hinweise

  • α ist nur näherungsweise konstant; die Tabellenwerte gelten für den Bereich von etwa 0 bis 100 °C.
  • Bei Kunststoffen ist α deutlich größer und stärker temperaturabhängig – Herstellerangaben verwenden.
  • Für Flächen und Volumen gilt näherungsweise der doppelte bzw. dreifache Koeffizient.

Typische Fehler

  • α aus der Tabelle in 10⁻⁶ 1/K ablesen, aber den Faktor 10⁻⁶ vergessen.
  • Absolute Temperatur statt der Temperaturdifferenz einsetzen.
Verwandte Formeln:Quelle: Tabellenbuch Metall; Grundlagen der Physik und FestigkeitslehreEigene Seite

Scherspannung (Abscherung)

Welche Schubspannung entsteht, wenn eine Kraft quer zum Querschnitt wirkt?
Umstellen nach

Wirkt eine Kraft F quer zur Stabachse in der Querschnittsebene – wie bei einem Bolzen, Niet oder einer Schraube, die zwei Bleche verbindet –, entsteht im Querschnitt eine Schubspannung τ (tau), die Scherspannung. Die hier angegebene Formel liefert die mittlere Scherspannung, mit der Verbindungselemente in der Praxis bemessen werden (Abschernachweis).

Entscheidend ist die richtige Scherfläche A: Bei einschnittigen Verbindungen trägt ein Querschnitt, bei zweischnittigen (Bolzen in einer Gabel) tragen zwei Querschnitte, sodass sich die Scherfläche verdoppelt. Für Niete und Bolzen gilt je Scherfläche A = π · d² / 4.

Die tatsächliche Schubspannungsverteilung über den Querschnitt ist nicht gleichmäßig (bei Kreisquerschnitten liegt das Maximum beim 4/3-Fachen des Mittelwerts); die zulässigen Werte τ_zul in Tabellenbüchern sind jedoch auf den Mittelwert bezogen und berücksichtigen das bereits.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Scherspannungmittlere Schubspannung in der ScherflächeN/mm²
ScherkraftKraft quer zur Stabachse in der Scherebene (1 kN = 1 000 N)N
ScherflächeSumme aller abgescherten Querschnitte (zweischnittig: 2 · π · d² / 4)mm²

Rechner

N/mm²
N
mm²

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Ein Bolzen mit 16 mm Durchmesser verbindet eine Gabel mit einer Lasche (zweischnittige Verbindung) und überträgt eine Zugkraft von 40 kN. Wie groß ist die Scherspannung im Bolzen?

  1. Scherfläche: Bei zweischnittiger Verbindung werden zwei Querschnitte abgeschert: A = 2 · π · (16 mm)² / 4 = 2 · 201,1 mm² ≈ 402,1 mm².
  2. Kraft umrechnen: F = 40 kN = 40 000 N.
  3. Formel: τ = F / A.
  4. Einsetzen: τ = 40 000 N / 402,1 mm² ≈ 99,5 N/mm².
  5. Bewertung: Die zulässige Scherspannung wird näherungsweise mit τ_zul ≈ 0,58 · σ_zul angesetzt (Gestaltänderungsenergie-Hypothese). Für einen Bolzen aus S355 mit S = 1,5 ergibt das etwa 0,58 · 237 ≈ 137 N/mm² – der Bolzen ist bei ruhender Last ausreichend bemessen.

Ergebnis: ≈ 99,5 N/mm²

Gültigkeit & Hinweise

  • Die Formel liefert die mittlere Scherspannung; sie ist der übliche Bemessungswert für Bolzen, Niete, Schrauben und Schweißnähte nach Tabellenbuch.
  • Bei zweischnittigen Verbindungen die doppelte Querschnittsfläche einsetzen.
  • Zusätzlich ist bei Bolzen- und Nietverbindungen die Flächenpressung (Lochleibung) im Blech nachzuweisen – oft ist sie maßgebend.

Typische Fehler

  • Nur einen Querschnitt ansetzen, obwohl die Verbindung zweischnittig ist (oder umgekehrt).
  • Bei Schrauben, deren Gewinde in der Scherebene liegt, den Nenndurchmesser statt des Kerndurchmessers verwenden.
Verwandte Formeln:Quelle: Tabellenbuch Metall; Roloff/Matek: MaschinenelementeEigene Seite

Flächenpressung

Welche Druckspannung entsteht zwischen zwei aufeinandergepressten Flächen?
Umstellen nach

Die Flächenpressung p ist die mittlere Druckspannung in der Berührfläche zweier Bauteile, etwa zwischen Stützenfuß und Fundament, Lagerplatte und Auflager, Bolzen und Lochwand oder Schraubenkopf und Unterlegscheibe. Sie wird wie die Zug-/Druckspannung als Kraft je Fläche berechnet, bezieht sich aber auf die gedrückte Kontaktfläche und nicht auf den Bauteilquerschnitt.

Bei Bolzen- und Nietverbindungen heißt sie Lochleibungsdruck; als Fläche wird dann die projizierte Fläche d · t (Durchmesser mal Blechdicke) angesetzt, nicht die halbe Zylinderfläche. Unter Fußplatten und Lagerplatten wird die Plattenfläche angesetzt, sofern die Platte ausreichend steif ist.

Der zulässige Wert p_zul hängt vom weicheren der beiden Werkstoffe ab: Beton, Holz und Mauerwerk vertragen deutlich weniger als Stahl, weshalb Lasten aus Stahlstützen über Fußplatten auf eine größere Fläche verteilt werden.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Flächenpressungmittlere Druckspannung in der KontaktflächeN/mm²
Druckkraftsenkrecht auf die Kontaktfläche wirkende Kraft (1 kN = 1 000 N)N
gedrückte FlächeKontaktfläche; bei Lochleibung die projizierte Fläche d · tmm²

Rechner

N/mm²
N
mm²

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Stahlstütze einer Halle trägt 450 kN und steht mit einer Fußplatte von 300 mm × 300 mm auf einem Betonfundament. Wie groß ist die Flächenpressung unter der Fußplatte?

  1. Fläche: A = 300 mm · 300 mm = 90 000 mm² (= 0,09 m²).
  2. Kraft umrechnen: F = 450 kN = 450 000 N.
  3. Formel: p = F / A.
  4. Einsetzen: p = 450 000 N / 90 000 mm² = 5,0 N/mm².
  5. Bewertung: Ein Beton C25/30 hat eine charakteristische Druckfestigkeit von 25 N/mm²; eine Pressung von 5,0 N/mm² ist für eine örtlich begrenzte Lasteinleitung unkritisch. Der genaue Nachweis der Teilflächenbelastung erfolgt nach DIN EN 1992-1-1.

Ergebnis: 5,0 N/mm²

Gültigkeit & Hinweise

  • Die Formel setzt eine gleichmäßige Druckverteilung voraus; bei nachgiebigen Platten oder außermittiger Last ist die tatsächliche Spitzenpressung höher.
  • Maßgebend ist stets der weichere Werkstoff der beiden Kontaktpartner.
  • Bei Lochleibung: A = d · t (projizierte Fläche); bei mehreren Blechen die Summe der Blechdicken auf einer Seite der Scherebene.

Typische Fehler

  • Bei Bolzen die halbe Mantelfläche statt der projizierten Fläche d · t ansetzen.
  • Fläche in cm² oder m² einsetzen – der Rechner erwartet mm².
Verwandte Formeln:Quelle: Tabellenbuch Metall; Roloff/Matek: MaschinenelementeEigene Seite

Querschnittswerte

6 Formeln

Flächenträgheitsmoment Rechteck

Wie biegesteif ist ein Rechteckquerschnitt? Die Höhe geht mit der dritten Potenz ein.
Umstellen nach

Das Flächenträgheitsmoment I (auch Flächenmoment 2. Grades) beschreibt, wie der Werkstoff eines Querschnitts um die Biegeachse verteilt ist. Je weiter die Fläche von der neutralen Faser entfernt liegt, desto größer ist ihr Beitrag – deshalb geht die Höhe h mit der dritten Potenz ein. Ein Balken 100 mm × 200 mm ist hochkant viermal so biegesteif wie flach gelegt.

Die Formel gilt für das Rechteck bezogen auf die Schwerachse parallel zur Breite b, also für Biegung in Richtung der Höhe h. Für die andere Achse werden b und h vertauscht. I wird für Durchbiegungen und für die Knicklast gebraucht; für die Biegespannung dient das daraus abgeleitete Widerstandsmoment W.

In Tabellenbüchern wird I meist in cm⁴ angegeben; 1 cm⁴ = 10 000 mm⁴.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Flächenträgheitsmomentaxiales Flächenmoment 2. Grades um die Schwerachse (1 cm⁴ = 10 000 mm⁴)mm⁴
BreiteAbmessung parallel zur Biegeachsemm
HöheAbmessung in Lastrichtung (senkrecht zur Biegeachse)mm

Rechner

mm⁴
mm
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Flächenträgheitsmoment RechteckRechteckquerschnitt mit b = 100 mm, h = 200 mm, I = 66 666 667 mm⁴.b = 100 mmh = 200 mmI = 66 666 667 mm⁴
Beispiel: ≈ 6,67 · 10⁷ mm⁴ (6 667 cm⁴)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Dachpfette aus Nadelholz hat einen Querschnitt von 100 mm × 200 mm (Breite × Höhe) und liegt hochkant. Wie groß ist das Flächenträgheitsmoment um die Biegeachse?

  1. Gegeben: b = 100 mm, h = 200 mm (die Höhe steht in Lastrichtung).
  2. Formel: I = b · h³ / 12.
  3. Einsetzen: I = 100 mm · (200 mm)³ / 12 = 100 · 8 000 000 / 12 mm⁴ ≈ 66 666 667 mm⁴.
  4. In Tabellenbuch-Einheiten: 66 666 667 mm⁴ ≈ 6 667 cm⁴ (1 cm⁴ = 10 000 mm⁴).
  5. Zum Vergleich: Flach gelegt (b = 200 mm, h = 100 mm) ergäben sich nur 16 666 667 mm⁴ – ein Viertel.

Ergebnis: ≈ 6,67 · 10⁷ mm⁴ (6 667 cm⁴)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt bezogen auf die Schwerachse des Rechtecks; für parallele Achsen außerhalb des Schwerpunkts ist der Steiner-Anteil A · a² zu addieren.
  • Zusammengesetzte Querschnitte (I-, T-, Kastenprofile) werden aus Rechtecken mit dem Satz von Steiner zusammengesetzt; für Walzprofile gelten die Werte der Profiltabellen.

Typische Fehler

  • b und h vertauschen – h ist immer die Abmessung in Lastrichtung.
  • cm und mm mischen: Da h in der dritten Potenz steht, wirkt sich der Fehler mit dem Faktor 1 000 aus.

Widerstandsmoment Rechteck

Welches Widerstandsmoment hat ein Rechteckquerschnitt gegen Biegung?
Umstellen nach

Das Widerstandsmoment W verbindet das Biegemoment mit der Biegespannung in der Randfaser: σ_b = M_b / W. Es ergibt sich aus dem Flächenträgheitsmoment, geteilt durch den Abstand der äußersten Faser von der neutralen Achse (beim Rechteck h / 2): W = I / (h / 2) = b · h² / 6.

Anders als beim Flächenträgheitsmoment geht die Höhe nur quadratisch ein. Trotzdem lohnt es sich, Träger hochkant einzubauen: Bei 100 mm × 200 mm ist W hochkant doppelt so groß wie flach.

Tabellenbücher geben W meist in cm³ an; 1 cm³ = 1 000 mm³. Für Walzprofile (IPE, HEA, HEB, U) wird W direkt aus den Profiltabellen entnommen.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Widerstandsmomentaxiales Widerstandsmoment um die Schwerachse (1 cm³ = 1 000 mm³)mm³
BreiteAbmessung parallel zur Biegeachsemm
HöheAbmessung in Lastrichtung (senkrecht zur Biegeachse)mm

Rechner

mm³
mm
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Widerstandsmoment RechteckRechteckquerschnitt mit b = 100 mm, h = 200 mm, W = 666 667 mm³.b = 100 mmh = 200 mmW = 666 667 mm³
Beispiel: ≈ 666 700 mm³ (667 cm³)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Die Dachpfette aus Nadelholz mit 100 mm × 200 mm liegt hochkant. Wie groß ist ihr Widerstandsmoment um die Biegeachse?

  1. Gegeben: b = 100 mm, h = 200 mm.
  2. Formel: W = b · h² / 6.
  3. Einsetzen: W = 100 mm · (200 mm)² / 6 = 100 · 40 000 / 6 mm³ ≈ 666 667 mm³.
  4. In Tabellenbuch-Einheiten: 666 667 mm³ ≈ 667 cm³.
  5. Kontrolle über I: W = I / (h / 2) = 66 666 667 mm⁴ / 100 mm ≈ 666 667 mm³.

Ergebnis: ≈ 666 700 mm³ (667 cm³)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für den symmetrischen Rechteckquerschnitt (gleicher Randabstand oben und unten).
  • Bei unsymmetrischen Querschnitten (z. B. T-Profil) gibt es zwei verschiedene Widerstandsmomente für Ober- und Unterseite; maßgebend ist das kleinere.

Typische Fehler

  • W mit I verwechseln: W = b · h² / 6 (mm³), I = b · h³ / 12 (mm⁴).
  • cm³ und mm³ verwechseln (Faktor 1 000).
Verwandte Formeln:Quelle: Tabellenbuch Metall; Grundlagen der FestigkeitslehreEigene Seite

Flächenträgheitsmoment Kreis (Vollquerschnitt)

Flächenträgheitsmoment einer Vollwelle oder eines Rundstabs – der Durchmesser geht mit der vierten Potenz ein.
Umstellen nach

Für den Vollkreis mit Durchmesser d beträgt das axiale Flächenträgheitsmoment I = π · d⁴ / 64. Wegen der Kreissymmetrie gilt dieser Wert für jede Achse durch den Mittelpunkt – ein Rundstab ist in alle Richtungen gleich biegesteif.

Der Durchmesser geht mit der vierten Potenz ein: Eine Welle mit 10 % mehr Durchmesser ist rund 46 % biegesteifer. Umgekehrt ändert sich bei der Umstellung nach d der nötige Durchmesser nur mit der vierten Wurzel aus dem geforderten I.

I wird für die Durchbiegung von Wellen und Achsen sowie für den Knicknachweis von Rundstäben und Stützen benötigt. Das polare Flächenträgheitsmoment für Torsion ist doppelt so groß: I_p = π · d⁴ / 32.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Flächenträgheitsmomentaxiales Flächenmoment 2. Grades um eine Achse durch den Mittelpunkt (1 cm⁴ = 10 000 mm⁴)mm⁴
DurchmesserDurchmesser des Vollkreises (nicht Radius!)mm

Rechner

mm⁴
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

GrafikFlächenträgheitsmoment über dem Durchmesser

Flächenträgheitsmoment über dem DurchmesserArbeitspunkt bei d = 50 mm und I = 306 796 mm⁴.0500 0001 000 0001 500 000020406080100d in mmI in mm⁴306 79650
Beispiel: ≈ 306 800 mm⁴ (30,7 cm⁴)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Antriebswelle aus Vollmaterial hat 50 mm Durchmesser. Wie groß ist ihr Flächenträgheitsmoment?

  1. Gegeben: d = 50 mm.
  2. Formel: I = π · d⁴ / 64.
  3. Einsetzen: I = π · (50 mm)⁴ / 64 = π · 6 250 000 / 64 mm⁴ ≈ 306 796 mm⁴.
  4. In Tabellenbuch-Einheiten: 306 796 mm⁴ ≈ 30,7 cm⁴.

Ergebnis: ≈ 306 800 mm⁴ (30,7 cm⁴)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für den Vollkreis bezogen auf eine Achse durch den Mittelpunkt.
  • Für Rohre (Kreisring) gilt I = π · (D⁴ − d⁴) / 64 mit Außen- und Innendurchmesser (eigene Formel in diesem Bereich).
  • Bei Wellen mit Nuten, Absätzen oder Bohrungen ist der kleinste wirksame Querschnitt maßgebend.

Typische Fehler

  • Radius statt Durchmesser einsetzen (Faktor 16).
  • Die Formel für I_p (π · d⁴ / 32) mit der für I (π · d⁴ / 64) verwechseln.

Widerstandsmoment Kreis (Vollquerschnitt)

Widerstandsmoment einer Vollwelle oder eines Rundstabs gegen Biegung.
Umstellen nach

Das axiale Widerstandsmoment des Vollkreises folgt aus I geteilt durch den Randabstand d / 2: W = (π · d⁴ / 64) / (d / 2) = π · d³ / 32. Es wird für die Biegespannung in Wellen, Achsen, Bolzen und Rundstäben gebraucht: σ_b = M_b / W.

Da d kubisch eingeht, lässt sich die Umstellung nach d direkt zur Vorbemessung nutzen: Aus dem Biegemoment und der zulässigen Spannung folgt das nötige W und daraus der Mindestdurchmesser d = ∛(32 · W / π).

Für Torsion gilt das polare Widerstandsmoment W_p = π · d³ / 16, also der doppelte Wert.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Widerstandsmomentaxiales Widerstandsmoment gegen Biegung (1 cm³ = 1 000 mm³)mm³
DurchmesserDurchmesser des Vollkreisesmm

Rechner

mm³
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

GrafikWiderstandsmoment über dem Durchmesser

Widerstandsmoment über dem DurchmesserArbeitspunkt bei d = 50 mm und W = 12 272 mm³.020 00040 00060 000020406080100d in mmW in mm³12 27250
Beispiel: ≈ 12 270 mm³ (12,3 cm³)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Die Antriebswelle mit 50 mm Durchmesser wird zusätzlich auf Biegung beansprucht. Wie groß ist ihr Widerstandsmoment?

  1. Gegeben: d = 50 mm.
  2. Formel: W = π · d³ / 32.
  3. Einsetzen: W = π · (50 mm)³ / 32 = π · 125 000 / 32 mm³ ≈ 12 272 mm³.
  4. In Tabellenbuch-Einheiten: 12 272 mm³ ≈ 12,3 cm³.
  5. Kontrolle: W = I / (d / 2) = 306 796 mm⁴ / 25 mm ≈ 12 272 mm³.

Ergebnis: ≈ 12 270 mm³ (12,3 cm³)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für den Vollkreis.
  • Für Rohre gilt W = π · (D⁴ − d⁴) / (32 · D) (eigene Formel in diesem Bereich).
  • Bei Wellen mit Kerben (Absätze, Passfedernuten, Querbohrungen) sind Kerbwirkungszahlen zu berücksichtigen; der Nachweis erfolgt dann nach DIN 743.

Typische Fehler

  • Radius statt Durchmesser einsetzen (Faktor 8).
  • W_p (π · d³ / 16) und W (π · d³ / 32) verwechseln.

Flächenträgheitsmoment Kreisring (Rohr)

Flächenträgheitsmoment eines Rohrs oder einer Hohlwelle aus Außen- und Innendurchmesser.
Umstellen nach

Rohre und Hohlwellen nutzen den Werkstoff besonders wirtschaftlich: Die Fläche nahe der neutralen Achse trägt zur Biegesteifigkeit kaum bei, deshalb kann sie entfallen. Das Flächenträgheitsmoment des Kreisrings ergibt sich als Differenz von Außen- und Innenkreis: I = π · (D⁴ − d⁴) / 64 mit dem Außendurchmesser D und dem Innendurchmesser d = D − 2 · t (t = Wanddicke).

Die Formel wird für Rohrstützen, Geländer, Rohrbrücken, Hohlwellen und Gerüstrohre gebraucht – überall dort, wo Durchbiegung oder Knicklast eines Rohrs zu prüfen sind. Für Standardrohre finden sich die Werte auch in Rohrtabellen (meist in cm⁴).

Der Rechner löst auch nach D oder d auf, etwa um bei gegebenem Innendurchmesser den nötigen Außendurchmesser für ein gefordertes I zu bestimmen.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Flächenträgheitsmomentaxiales Flächenmoment 2. Grades des Rohrquerschnitts (1 cm⁴ = 10 000 mm⁴)mm⁴
AußendurchmesserAußendurchmesser des Rohrsmm
InnendurchmesserInnendurchmesser = D − 2 · t (t = Wanddicke); muss kleiner als D seinmm

Rechner

mm⁴
mm
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Rohrstütze besteht aus Stahlrohr 76,1 mm × 3,6 mm (Außendurchmesser × Wanddicke). Wie groß ist das Flächenträgheitsmoment des Querschnitts?

  1. Innendurchmesser: d = D − 2 · t = 76,1 mm − 2 · 3,6 mm = 68,9 mm.
  2. Formel: I = π · (D⁴ − d⁴) / 64.
  3. Einsetzen: I = π · (76,1⁴ − 68,9⁴) / 64 mm⁴ = π · (33 538 113 − 22 536 003) / 64 mm⁴ ≈ 540 100 mm⁴.
  4. In Tabellenbuch-Einheiten: ≈ 54,0 cm⁴ – stimmt mit dem Wert der Rohrtabelle überein.
  5. Zum Vergleich: Ein Vollstab mit gleicher Querschnittsfläche (A ≈ 820 mm², d ≈ 32,3 mm) hätte nur I ≈ 53 500 mm⁴ – rund ein Zehntel.

Ergebnis: ≈ 540 100 mm⁴ (54,0 cm⁴)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für konzentrische Kreisringe (gleichmäßige Wanddicke); d muss kleiner als D sein.
  • Bei dünnwandigen Rohren (t ≪ D) gilt die Näherung I ≈ π · D_m³ · t / 8 mit dem mittleren Durchmesser D_m = D − t.
  • Für den Knicknachweis dünnwandiger Rohre ist zusätzlich das Beulen zu prüfen.

Typische Fehler

  • Wanddicke statt Innendurchmesser einsetzen – d = D − 2 · t.
  • Radien und Durchmesser mischen.

Widerstandsmoment Kreisring (Rohr)

Widerstandsmoment eines Rohrs oder einer Hohlwelle gegen Biegung.
Umstellen nach

Das Widerstandsmoment des Kreisrings folgt aus dem Flächenträgheitsmoment geteilt durch den Randabstand D / 2: W = π · (D⁴ − d⁴) / (32 · D). Es wird für die Biegespannung in Rohren, Hohlwellen, Geländerpfosten und Rohrträgern gebraucht: σ_b = M_b / W.

Die Umstellung nach dem Außendurchmesser D ist nicht geschlossen möglich (Gleichung vierten Grades); in der Praxis wird D aus der Rohrtabelle gewählt und W nachgerechnet. Die Umstellung nach dem Innendurchmesser d liefert bei gegebenem D den größten zulässigen Innendurchmesser bzw. die nötige Wanddicke für ein gefordertes W.

Für Torsion gilt das polare Widerstandsmoment W_p = π · (D⁴ − d⁴) / (16 · D), also der doppelte Wert.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Widerstandsmomentaxiales Widerstandsmoment des Rohrquerschnitts (1 cm³ = 1 000 mm³)mm³
AußendurchmesserAußendurchmesser des Rohrs (keine Umstellung möglich – aus Rohrtabelle wählen)mm
InnendurchmesserInnendurchmesser = D − 2 · t; muss kleiner als D seinmm

Rechner

mm³
mm
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Für die Rohrstütze aus Stahlrohr 76,1 mm × 3,6 mm soll die Biegespannung aus einer Windlast ermittelt werden. Wie groß ist das Widerstandsmoment des Rohrquerschnitts?

  1. Innendurchmesser: d = D − 2 · t = 76,1 mm − 7,2 mm = 68,9 mm.
  2. Formel: W = π · (D⁴ − d⁴) / (32 · D).
  3. Einsetzen: W = π · (33 538 113 − 22 536 003) / (32 · 76,1) mm³ = 34 564 115 / 2 435,2 mm³ ≈ 14 194 mm³.
  4. In Tabellenbuch-Einheiten: ≈ 14,2 cm³ (Rohrtabelle: 14,2 cm³).
  5. Kontrolle über I: W = I / (D / 2) = 540 065 mm⁴ / 38,05 mm ≈ 14 194 mm³.

Ergebnis: ≈ 14 190 mm³ (14,2 cm³)

Gültigkeit & Hinweise

  • Nach dem Außendurchmesser D lässt sich die Formel nicht geschlossen auflösen – D aus der Rohrtabelle wählen und W nachrechnen (oder mit der Umstellung nach d die passende Wanddicke bestimmen).
  • Gilt für konzentrische Kreisringe; d muss kleiner als D sein.
  • Für Torsion gilt W_p = π · (D⁴ − d⁴) / (16 · D).

Typische Fehler

  • Im Nenner den Innendurchmesser d statt des Außendurchmessers D verwenden.
  • Wanddicke statt Innendurchmesser einsetzen.
Verwandte Formeln:Quelle: Tabellenbuch Metall; Roloff/Matek: MaschinenelementeEigene Seite

Biegung

7 Formeln

Biegespannung

Welche Spannung erzeugt ein Biegemoment in der Randfaser eines Trägers?
Umstellen nach

Ein Biegemoment M_b erzeugt im Querschnitt eine linear über die Höhe verteilte Normalspannung: Zug auf der einen, Druck auf der anderen Seite, null in der neutralen Faser. Die größte Spannung tritt in der Randfaser auf und beträgt σ_b = M_b / W mit dem Widerstandsmoment W des Querschnitts. Diese Randspannung ist der Bemessungswert für Träger, Pfetten, Wellen, Achsen und Hebel.

Die Formel setzt gerade Biegung um eine Hauptachse voraus und gilt im linear-elastischen Bereich (Bernoulli-Hypothese: Querschnitte bleiben eben). Zusätzlich vorhandene Normal- oder Querkräfte sind hier nicht enthalten; bei schlanken Walzprofilen ist der Einfluss der Querkraft auf die Biegespannung in der Regel vernachlässigbar.

Einheiten: Das Biegemoment wird in N·mm eingesetzt (1 kN·m = 1 000 000 N·mm), W in mm³ (1 cm³ = 1 000 mm³), dann ergibt sich σ_b in N/mm².

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Biegespannunggrößte Normalspannung in der Randfaser (Zug auf der einen, Druck auf der anderen Seite)N/mm²
BiegemomentBiegemoment an der betrachteten Stelle (1 kN·m = 1 000 000 N·mm)N·mm
Widerstandsmomentaxiales Widerstandsmoment um die Biegeachse (Profiltabelle: 1 cm³ = 1 000 mm³)mm³

Rechner

N/mm²
N·mm
mm³

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Ein Hallenträger IPE 240 (W_y = 324 cm³ aus der Profiltabelle) wird in Feldmitte mit einem Biegemoment von 60 kN·m belastet. Wie groß ist die Biegespannung?

  1. Umrechnen: M_b = 60 kN·m = 60 · 1 000 N · 1 000 mm = 60 000 000 N·mm; W = 324 cm³ = 324 000 mm³.
  2. Formel: σ_b = M_b / W.
  3. Einsetzen: σ_b = 60 000 000 N·mm / 324 000 mm³ ≈ 185,2 N/mm².
  4. Bewertung: Bei S235 (R_e = 235 N/mm²) ergibt das eine Sicherheit gegen Fließen von nur 1,27; bei S355 wären es 1,92. Für den Hallenträger wäre S355 oder ein größeres Profil zu wählen (Nachweis nach DIN EN 1993-1-1).

Ergebnis: ≈ 185 N/mm²

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für gerade Biegung um eine Hauptachse im elastischen Bereich; W ist auf dieselbe Achse zu beziehen.
  • Bei unsymmetrischen Querschnitten (z. B. T-Profil) ist das kleinere Widerstandsmoment maßgebend.
  • Zusätzliche Normalkräfte überlagern sich linear: σ = N / A ± M_b / W.

Typische Fehler

  • Biegemoment in kN·m einsetzen, ohne auf N·mm umzurechnen (Faktor 10⁶).
  • W um die falsche Achse (W_z statt W_y) aus der Profiltabelle entnehmen.

Kragbalken mit Einzellast: Biegemoment

Welches Einspannmoment erzeugt eine Last am freien Ende eines Kragarms?
Umstellen nach

Der Kragbalken (Kragarm, Konsole) ist an einem Ende fest eingespannt und am anderen frei. Eine Einzellast F am freien Ende erzeugt ein Biegemoment, das vom Lastangriff aus linear bis zum Maximum an der Einspannung ansteigt: M_max = F · L. Dort ist der Träger am höchsten beansprucht, und dort muss auch die Einspannung (Schweißnaht, Schrauben, Dübel) dieses Moment aufnehmen.

Typische Kragarme sind Konsolen für Rohrleitungen, Ausleger von Rohrbrücken, Vordächer, Balkonplatten, Kranausleger und auskragende Wellenenden. Die Querkraft ist über die ganze Länge konstant gleich F.

Für Eigengewicht oder eine Gleichlast q auf dem Kragarm gilt stattdessen M_max = q · L² / 2 (ebenfalls an der Einspannung).

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
maximales BiegemomentBiegemoment an der Einspannstelle (1 kN·m = 1 000 000 N·mm)N·mm
EinzellastKraft am freien Ende, senkrecht zum Kragarm (1 kN = 1 000 N)N
KragarmlängeAbstand von der Einspannung bis zum Lastangriffspunktmm

Rechner

N·mm
N
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Kragbalken mit Einzellast: BiegemomentKragbalken mit Einzellast am freien Ende mit L = 800 mm, F = 3 000 N, M max = 2 400 000 N·mm.F = 3 000 NL = 800 mmMmax​ = 2 400 000 N·mm
Beispiel: 2 400 000 N·mm = 2,4 kN·m

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Stahlkonsole an einer Hallenstütze trägt am freien Ende einen Rohrhalter mit einer Last von 3 kN. Der Kragarm ist 800 mm lang. Wie groß ist das Biegemoment an der Einspannung?

  1. Umrechnen: F = 3 kN = 3 000 N; L = 800 mm.
  2. Formel: M_max = F · L.
  3. Einsetzen: M_max = 3 000 N · 800 mm = 2 400 000 N·mm.
  4. In kN·m: 2 400 000 N·mm = 2,4 kN·m. Mit einem IPE 100 (W_y = 34,2 cm³ = 34 200 mm³) ergibt sich σ_b = 2 400 000 / 34 200 ≈ 70 N/mm² – weit unter der Streckgrenze.

Ergebnis: 2 400 000 N·mm = 2,4 kN·m

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für eine starre Einspannung; nachgiebige Einspannungen vergrößern die Durchbiegung, nicht aber das Moment.
  • Eigengewicht des Kragarms vernachlässigt; bei langen Kragarmen zusätzlich q · L² / 2 ansetzen und die Momente addieren.
  • Das Moment an der Einspannung ist vollständig in die Unterkonstruktion einzuleiten (Anschlussnachweis für Schweißnaht, Schrauben oder Dübel).

Typische Fehler

  • L bis zum Trägerende statt bis zum Lastangriffspunkt messen.
  • kN·m als N·mm weiterverwenden (Faktor 10⁶).
Verwandte Formeln:Quelle: Tabellenbuch Metall; Schneider: Bautabellen (Balkentafeln)Eigene Seite

Kragbalken mit Einzellast: Durchbiegung

Wie weit senkt sich das freie Ende eines Kragarms unter einer Einzellast?
Umstellen nach

Die Durchbiegung f am freien Ende eines Kragbalkens unter einer Einzellast F folgt aus der Biegelinie: f = F · L³ / (3 · E · I). Das Produkt E · I ist die Biegesteifigkeit; die Länge geht mit der dritten Potenz ein, sodass ein doppelt so langer Kragarm achtmal so stark durchhängt.

Die Formel gilt für konstanten Querschnitt, starre Einspannung und linear-elastisches Verhalten. Der Kragarm ist der Balkenfall mit der größten Durchbiegung: Bei gleicher Last und Länge biegt er sich 16-mal stärker durch als ein Zweistützbalken mit mittiger Last.

In der Praxis ist die Durchbiegung oft der maßgebende Nachweis, bevor die Spannung kritisch wird – etwa bei Konsolen, Vordächern oder Messaufbauten, bei denen eine Verformung von wenigen Millimetern bereits stört. Übliche Grenzwerte liegen je nach Anwendung in der Größenordnung von L/150 bis L/300 der Kragarmlänge.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
DurchbiegungAbsenkung des freien Endesmm
EinzellastKraft am freien Ende (1 kN = 1 000 N)N
KragarmlängeAbstand von der Einspannung bis zum Lastangriffmm
ElastizitätsmodulWerkstoffkennwertN/mm²
Flächenträgheitsmomentum die Biegeachse (Profiltabelle: 1 cm⁴ = 10 000 mm⁴)mm⁴

Rechner

mm
N
mm
N/mm²
typisch: Stahl 210 000 · Aluminium 70 000 · Holz 11 000
mm⁴

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Kragbalken mit Einzellast: DurchbiegungKragbalken mit Einzellast am freien Ende mit L = 800 mm, F = 3 000 N, f = 1,426 mm, M max = 2 400 000 N·mm, E = 210 000 N/mm², I = 1 710 000 mm⁴.F = 3 000 Nf = 1,426 mmL = 800 mmMmax​ = 2 400 000 N·mmE = 210 000 N/mm²I = 1 710 000 mm⁴f überhöht dargestellt
Beispiel: ≈ 1,43 mm (L/560)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Die Stahlkonsole aus dem vorigen Beispiel (IPE 100, I_y = 171 cm⁴) ist 800 mm lang und trägt am Ende 3 kN. Wie groß ist die Durchbiegung am freien Ende?

  1. Umrechnen: F = 3 000 N; L = 800 mm; E = 210 000 N/mm²; I = 171 cm⁴ = 1 710 000 mm⁴ (1 cm⁴ = 10 000 mm⁴).
  2. Formel: f = F · L³ / (3 · E · I).
  3. Einsetzen: f = 3 000 N · (800 mm)³ / (3 · 210 000 N/mm² · 1 710 000 mm⁴) = 1,536 · 10¹² / 1,077 · 10¹² mm ≈ 1,43 mm.
  4. Bewertung: f = 1,43 mm entspricht L/560 – deutlich unter den üblichen Grenzwerten von L/150 bis L/300. Die Konsole ist ausreichend steif.

Ergebnis: ≈ 1,43 mm (L/560)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für konstanten Querschnitt, starre Einspannung und kleine Durchbiegungen (f ≪ L).
  • Eigengewicht nicht berücksichtigt; für eine Gleichlast q auf dem Kragarm gilt f = q · L⁴ / (8 · E · I).
  • Eine nachgiebige Einspannung (z. B. Schraubanschluss) vergrößert die tatsächliche Durchbiegung.

Typische Fehler

  • I in cm⁴ statt mm⁴ einsetzen (Faktor 10 000).
  • L in m einsetzen – da L kubisch eingeht, ist das Ergebnis dann um den Faktor 10⁹ falsch.

Zweistützbalken mit mittiger Einzellast: Biegemoment

Welches Biegemoment erzeugt eine Einzellast in der Mitte eines frei aufliegenden Trägers?
Umstellen nach

Der Träger auf zwei Stützen (Einfeldträger, beidseitig gelenkig gelagert) ist der häufigste Balkenfall im Bauwesen und Maschinenbau. Greift eine Einzellast F genau in der Mitte an, nehmen beide Auflager je F / 2 auf, und das Biegemoment steigt von den Auflagern linear bis zum Maximum in Feldmitte: M_max = F · L / 4.

Typische Anwendungen sind Hallenträger mit einer Einzellast aus einer Laufkatze oder einem Lüftungsgerät, Achsen mit mittig sitzendem Rad, Wellen mit mittigem Zahnrad oder ein Träger, auf dem mittig eine Maschine steht.

Greift die Last nicht in der Mitte an, sondern im Abstand a vom linken und b vom rechten Auflager, gilt allgemein M_max = F · a · b / L (unter der Last). Die mittige Last ist der ungünstigste Fall.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
maximales BiegemomentBiegemoment in Feldmitte (1 kN·m = 1 000 000 N·mm)N·mm
EinzellastKraft in Feldmitte (1 kN = 1 000 N)N
StützweiteAbstand der beiden Auflagermm

Rechner

N·mm
N
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Zweistützbalken mit mittiger Einzellast: BiegemomentBalken auf zwei Stützen mit Einzellast in der Mitte mit L = 6 000 mm, F = 40 000 N, M max = 60 000 000 N·mm.F = 40 000 NL = 6 000 mmMmax​ = 60 000 000 N·mm
Beispiel: 60 000 000 N·mm = 60 kN·m

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Ein Hallenträger mit 6,0 m Stützweite trägt in Feldmitte eine Einzellast von 40 kN aus einer Laufkatze. Wie groß ist das maximale Biegemoment?

  1. Umrechnen: F = 40 kN = 40 000 N; L = 6,0 m = 6 000 mm.
  2. Formel: M_max = F · L / 4.
  3. Einsetzen: M_max = 40 000 N · 6 000 mm / 4 = 60 000 000 N·mm.
  4. In kN·m: 60 000 000 N·mm = 60 kN·m. Die Auflagerkräfte betragen je F / 2 = 20 kN.

Ergebnis: 60 000 000 N·mm = 60 kN·m

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für beidseitig gelenkige (frei drehbare) Lagerung und Last genau in Feldmitte.
  • Eigengewicht des Trägers nicht enthalten – dafür q · L² / 8 zusätzlich ansetzen und die Momente addieren.
  • Bei außermittiger Last: M_max = F · a · b / L.

Typische Fehler

  • Stützweite L mit der Trägerlänge verwechseln – maßgebend ist der Abstand der Auflagerpunkte.
  • Den Faktor 4 vergessen oder mit dem Kragarm (F · L) verwechseln.

Zweistützbalken mit mittiger Einzellast: Durchbiegung

Wie stark hängt ein frei aufliegender Träger unter einer mittigen Einzellast durch?
Umstellen nach

Die größte Durchbiegung des Einfeldträgers mit mittiger Einzellast tritt in Feldmitte auf: f = F · L³ / (48 · E · I). Wie bei allen Biegelinien bestimmen die Biegesteifigkeit E · I und die dritte Potenz der Stützweite das Ergebnis.

Die Durchbiegung ist ein Gebrauchstauglichkeitsnachweis: Auch wenn die Spannung noch zulässig ist, dürfen Träger nicht so weit durchhängen, dass Decken reißen, Türen klemmen, Kranbahnen nicht mehr laufen oder Wellen in ihren Lagern verkanten. Übliche Grenzwerte sind L/300 für Deckenträger und Pfetten, L/500 bis L/1 000 für Kranbahnen und Wellen – die jeweilige Norm oder Herstellervorgabe ist maßgebend.

Der Rechner löst auch nach I auf: Damit lässt sich direkt das erforderliche Flächenträgheitsmoment für eine zulässige Durchbiegung bestimmen und daraus ein Profil wählen.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Durchbiegunggrößte Durchbiegung in Feldmittemm
EinzellastKraft in Feldmitte (1 kN = 1 000 N)N
StützweiteAbstand der beiden Auflagermm
ElastizitätsmodulWerkstoffkennwertN/mm²
Flächenträgheitsmomentum die Biegeachse (Profiltabelle: 1 cm⁴ = 10 000 mm⁴)mm⁴

Rechner

mm
N
mm
N/mm²
typisch: Stahl 210 000 · Aluminium 70 000 · Holz 11 000
mm⁴

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Zweistützbalken mit mittiger Einzellast: DurchbiegungBalken auf zwei Stützen mit Einzellast in der Mitte mit L = 6 000 mm, F = 40 000 N, f = 22,02 mm, M max = 60 000 000 N·mm, E = 210 000 N/mm², I = 38 920 000 mm⁴.F = 40 000 Nf = 22,02 mmL = 6 000 mmMmax​ = 60 000 000 N·mmE = 210 000 N/mm²I = 38 920 000 mm⁴f überhöht dargestellt
Beispiel: ≈ 22,0 mm (> L/300 = 20 mm)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Der Hallenträger IPE 240 (I_y = 3 892 cm⁴, Stahl) mit 6,0 m Stützweite trägt mittig 40 kN. Wie groß ist die Durchbiegung in Feldmitte, und ist der Grenzwert L/300 eingehalten?

  1. Umrechnen: F = 40 000 N; L = 6 000 mm; E = 210 000 N/mm²; I = 3 892 cm⁴ = 38 920 000 mm⁴.
  2. Formel: f = F · L³ / (48 · E · I).
  3. Einsetzen: f = 40 000 N · (6 000 mm)³ / (48 · 210 000 N/mm² · 38 920 000 mm⁴) = 8,64 · 10¹⁵ / 3,923 · 10¹⁴ mm ≈ 22,0 mm.
  4. Grenzwert: L/300 = 6 000 mm / 300 = 20 mm. Die Durchbiegung von 22 mm überschreitet den Grenzwert – ein steiferes Profil ist nötig.
  5. Umgestellt nach I: I_erf = F · L³ / (48 · E · f_zul) = 8,64 · 10¹⁵ / (48 · 210 000 · 20) mm⁴ ≈ 42 860 000 mm⁴ = 4 286 cm⁴ → IPE 270 (I_y = 5 790 cm⁴) erfüllt die Anforderung.

Ergebnis: ≈ 22,0 mm (> L/300 = 20 mm)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für beidseitig gelenkige Lagerung, mittige Einzellast, konstanten Querschnitt und kleine Durchbiegungen.
  • Eigengewicht nicht enthalten; die Durchbiegung aus Gleichlast (5 · q · L⁴ / (384 · E · I)) ist zu addieren.
  • Schubverformungen sind vernachlässigt – bei sehr kurzen, hohen Trägern (L/h < 10) können sie spürbar werden.

Typische Fehler

  • I in cm⁴ statt mm⁴ einsetzen (Faktor 10 000).
  • Stützweite in m einsetzen – da L kubisch eingeht, ist das Ergebnis um 10⁹ falsch.

Zweistützbalken mit Gleichlast: Biegemoment

Welches Biegemoment erzeugt eine gleichmäßig verteilte Last auf einem frei aufliegenden Träger?
Umstellen nach

Gleichmäßig verteilte Lasten (Streckenlasten) sind der Normalfall im Bauwesen: Eigengewicht, Schnee, Deckenlasten, Rohrleitungen, Verkehrslasten. Für den beidseitig gelenkig gelagerten Träger unter der Gleichlast q verläuft das Biegemoment parabelförmig mit dem Maximum in Feldmitte: M_max = q · L² / 8. Die Auflagerkräfte betragen je q · L / 2.

Die Streckenlast q wird hier in N/mm eingesetzt; praxisüblich wird sie in kN/m angegeben, und es gilt 1 kN/m = 1 000 N / 1 000 mm = 1 N/mm. Dadurch bleibt die Umrechnung einfach – die Stützweite muss aber in mm stehen.

Die Formel ist die Grundlage der Bemessung von Pfetten, Deckenbalken, Unterzügen, Rohrbrückenträgern und Kranbahnträgern unter Eigengewicht.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
maximales BiegemomentBiegemoment in Feldmitte (1 kN·m = 1 000 000 N·mm)N·mm
Streckenlastgleichmäßig verteilte Last je Länge (1 kN/m = 1 N/mm)N/mm
StützweiteAbstand der beiden Auflagermm

Rechner

N·mm
N/mm
typisch: Pfetten 1 … 5 · Deckenträger 5 … 30
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Zweistützbalken mit Gleichlast: BiegemomentBalken auf zwei Stützen mit Gleichstreckenlast mit L = 4 500 mm, q = 2 N/mm, M max = 5 062 500 N·mm.q = 2 N/mmL = 4 500 mmMmax​ = 5 062 500 N·mm
Beispiel: 5 062 500 N·mm ≈ 5,06 kN·m

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Dachpfette mit 4,5 m Stützweite trägt aus Eigengewicht, Dachaufbau und Schnee eine Streckenlast von 2,0 kN/m. Wie groß ist das maximale Biegemoment?

  1. Umrechnen: q = 2,0 kN/m = 2 000 N / 1 000 mm = 2,0 N/mm; L = 4,5 m = 4 500 mm.
  2. Formel: M_max = q · L² / 8.
  3. Einsetzen: M_max = 2,0 N/mm · (4 500 mm)² / 8 = 2,0 · 20 250 000 / 8 N·mm = 5 062 500 N·mm.
  4. In kN·m: 5 062 500 N·mm ≈ 5,06 kN·m. Mit der Holzpfette 100 mm × 200 mm (W = 666 667 mm³) ergibt sich σ_b = 5 062 500 / 666 667 ≈ 7,6 N/mm².

Ergebnis: 5 062 500 N·mm ≈ 5,06 kN·m

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für beidseitig gelenkige Lagerung und über die ganze Stützweite konstante Streckenlast.
  • Für Durchlaufträger oder eingespannte Träger gelten andere Beiwerte (z. B. q · L² / 12 am Einspannrand).
  • Bei Einzellast und Gleichlast zusammen werden die Momente in Feldmitte addiert: M = F · L / 4 + q · L² / 8.

Typische Fehler

  • q in kN/m und L in m einsetzen – dann ergibt sich M in kN·m, nicht in N·mm. Der Rechner erwartet N/mm und mm.
  • Den Faktor 8 mit dem Faktor 2 des Kragarms (q · L² / 2) verwechseln.

Zweistützbalken mit Gleichlast: Durchbiegung

Wie stark hängt ein frei aufliegender Träger unter Gleichlast durch?
Umstellen nach

Die größte Durchbiegung des Einfeldträgers unter Gleichlast liegt in Feldmitte: f = 5 · q · L⁴ / (384 · E · I). Die Stützweite geht hier mit der vierten Potenz ein – eine um 10 % größere Spannweite erhöht die Durchbiegung um rund 46 %. Deshalb ist bei weit gespannten Pfetten, Deckenbalken und Rohrbrückenträgern fast immer die Durchbiegung und nicht die Spannung maßgebend.

Die Formel setzt konstanten Querschnitt, konstante Streckenlast und beidseitig gelenkige Lagerung voraus. Übliche Grenzwerte liegen bei L/200 bis L/300, bei Decken mit empfindlichem Ausbau auch bei L/500.

Für Holz ist zu beachten, dass der E-Modul deutlich niedriger ist als bei Stahl (Nadelholz C24 längs zur Faser etwa 11 000 N/mm²) und dass unter Dauerlast zusätzlich Kriechverformungen auftreten.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Durchbiegunggrößte Durchbiegung in Feldmittemm
Streckenlastgleichmäßig verteilte Last je Länge (1 kN/m = 1 N/mm)N/mm
StützweiteAbstand der beiden Auflagermm
ElastizitätsmodulWerkstoffkennwertN/mm²
Flächenträgheitsmomentum die Biegeachse (Rechteck: b · h³ / 12; Profiltabelle: 1 cm⁴ = 10 000 mm⁴)mm⁴

Rechner

mm
N/mm
mm
N/mm²
typisch: Stahl 210 000 · Aluminium 70 000 · Nadelholz 11 000
mm⁴

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Zweistützbalken mit Gleichlast: DurchbiegungBalken auf zwei Stützen mit Gleichstreckenlast mit L = 4 500 mm, q = 2 N/mm, f = 14,56 mm, M max = 5 062 500 N·mm, E = 11 000 N/mm², I = 66 666 667 mm⁴.q = 2 N/mmf = 14,56 mmL = 4 500 mmMmax​ = 5 062 500 N·mmE = 11 000 N/mm²I = 66 666 667 mm⁴f überhöht dargestellt
Beispiel: ≈ 14,6 mm (L/309)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Die Holzpfette 100 mm × 200 mm (Nadelholz C24, E = 11 000 N/mm², I = 66 666 667 mm⁴) mit 4,5 m Stützweite trägt 2,0 kN/m. Wie groß ist die Durchbiegung, und ist L/300 eingehalten?

  1. Umrechnen: q = 2,0 kN/m = 2,0 N/mm; L = 4 500 mm; E = 11 000 N/mm²; I = b · h³ / 12 = 100 · 200³ / 12 mm⁴ ≈ 66 666 667 mm⁴.
  2. Formel: f = 5 · q · L⁴ / (384 · E · I).
  3. Einsetzen: f = 5 · 2,0 N/mm · (4 500 mm)⁴ / (384 · 11 000 N/mm² · 66 666 667 mm⁴) = 4,10 · 10¹⁵ / 2,816 · 10¹⁴ mm ≈ 14,6 mm.
  4. Grenzwert: L/300 = 4 500 mm / 300 = 15 mm. Mit 14,6 mm ist der Grenzwert knapp eingehalten; Kriechverformungen des Holzes sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Ergebnis: ≈ 14,6 mm (L/309)

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für beidseitig gelenkige Lagerung, konstante Gleichlast, konstanten Querschnitt und kleine Durchbiegungen.
  • Bei Holz das Kriechen berücksichtigen: Die Enddurchbiegung nach DIN EN 1995-1-1 ist deutlich größer als die elastische Anfangsdurchbiegung.
  • Eine zusätzliche mittige Einzellast F erhöht die Durchbiegung um F · L³ / (48 · E · I).

Typische Fehler

  • L in m einsetzen – wegen L⁴ ist das Ergebnis dann um 10¹² falsch.
  • I in cm⁴ oder E in kN/mm² einsetzen.

Torsion & Knicken

2 Formeln

Torsionsspannung Vollwelle

Welche Schubspannung erzeugt ein Drehmoment in einer Vollwelle?
Umstellen nach

Ein Torsionsmoment M_t (Drehmoment um die Wellenachse) erzeugt im Querschnitt Schubspannungen, die von null in der Mitte linear bis zum Maximum am Rand ansteigen. Für die Vollwelle mit Kreisquerschnitt beträgt die Randspannung τ_t = M_t / W_p mit dem polaren Widerstandsmoment W_p = π · d³ / 16, zusammengefasst τ_t = 16 · M_t / (π · d³).

Das Drehmoment einer Welle folgt aus Leistung und Drehzahl: M_t = 9 550 · P / n (M_t in N·m, P in kW, n in 1/min). Es wird hier in N·mm eingesetzt (1 N·m = 1 000 N·mm).

Die Umstellung nach d dient der Vorbemessung von Wellen: Aus dem Drehmoment und der zulässigen Torsionsspannung ergibt sich der Mindestdurchmesser. Für die überschlägige Vorbemessung werden bewusst niedrige zulässige Torsionsspannungen angesetzt (für Stahlwellen mit Passfedernut häufig nur rund 20 bis 30 N/mm²), weil Kerbwirkung und überlagerte Biegung darin noch nicht erfasst sind. Der genaue Nachweis erfolgt nach DIN 743.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Torsionsspannunggrößte Schubspannung am WellenrandN/mm²
TorsionsmomentDrehmoment um die Wellenachse (1 N·m = 1 000 N·mm; aus Leistung: M_t = 9 550 · P / n in N·m)N·mm
WellendurchmesserDurchmesser der Vollwellemm

Rechner

N/mm²
N·mm
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Torsionsspannung VollwelleWelle unter Torsion mit d = 50 mm, M t = 500 000 N·mm, τ t = 20,37 N/mm².Mt​ = 500 000 N·mmd = 50 mmτt​ = 20,37 N/mm²
Beispiel: ≈ 20,4 N/mm²

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Antriebswelle aus Vollmaterial mit 50 mm Durchmesser überträgt 10 kW bei 191 1/min. Wie groß ist die Torsionsspannung am Wellenrand?

  1. Drehmoment: M_t = 9 550 · P / n = 9 550 · 10 kW / 191 1/min = 500 N·m = 500 000 N·mm.
  2. Formel: τ_t = 16 · M_t / (π · d³).
  3. Einsetzen: τ_t = 16 · 500 000 N·mm / (π · (50 mm)³) = 8 000 000 / 392 699 N/mm² ≈ 20,4 N/mm².
  4. Bewertung: 20,4 N/mm² liegt im Bereich der üblichen Vorbemessungswerte für Stahlwellen; Kerben (Passfedernut, Wellenabsatz) und überlagerte Biegung sind im Festigkeitsnachweis nach DIN 743 zusätzlich zu berücksichtigen.

Ergebnis: ≈ 20,4 N/mm²

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für Vollwellen mit Kreisquerschnitt im elastischen Bereich; für Hohlwellen gilt W_p = π · (D⁴ − d⁴) / (16 · D).
  • Die Formel liefert die reine Torsionsspannung ohne Kerbwirkung und ohne überlagerte Biegung.
  • Nicht kreisförmige Querschnitte (Rechteck, Profile) verhalten sich bei Torsion völlig anders – dafür gelten eigene Formeln.

Typische Fehler

  • M_t in N·m statt N·mm einsetzen (Faktor 1 000).
  • Radius statt Durchmesser oder W (π · d³ / 32) statt W_p (π · d³ / 16) verwenden.

Eulersche Knicklast (Knickfall 2)

Bei welcher Druckkraft knickt ein schlanker, beidseitig gelenkig gelagerter Stab aus?
Umstellen nach

Schlanke Druckstäbe versagen nicht durch Überschreiten der Druckfestigkeit, sondern durch seitliches Ausknicken – oft bei Spannungen weit unterhalb der Streckgrenze. Die Eulersche Knicklast F_k ist die kritische Druckkraft, bei der ein ideal gerader, elastischer Stab instabil wird: F_k = π² · E · I / L_k². Maßgebend ist das kleinste Flächenträgheitsmoment des Querschnitts (der Stab knickt um die schwache Achse) und die Knicklänge L_k.

Die Knicklänge hängt von der Lagerung ab (Euler-Fälle): Fall 2 – beidseitig gelenkig – ist der Grundfall mit L_k = L und wird hier gerechnet. Für die anderen Fälle wird die Stablänge umgerechnet: Fall 1 (unten eingespannt, oben frei) L_k = 2 · L, Fall 3 (eingespannt/gelenkig) L_k ≈ 0,7 · L, Fall 4 (beidseitig eingespannt) L_k = 0,5 · L.

Die Euler-Formel gilt nur im elastischen Bereich, also für schlanke Stäbe oberhalb der Grenzschlankheit λ₀ (für S235 rund 105). Die Schlankheit ist λ = L_k / i mit dem Trägheitsradius i = √(I / A). Gedrungene Stäbe darunter werden nach Tetmajer oder mit den Knickspannungslinien nach DIN EN 1993-1-1 nachgewiesen. Da Knicken schlagartig eintritt, werden hohe Sicherheiten angesetzt (im Maschinenbau S = 3 bis 5).

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Knicklastkritische Druckkraft, bei der der ideale Stab ausknickt (1 kN = 1 000 N)N
ElastizitätsmodulWerkstoffkennwertN/mm²
Flächenträgheitsmomentkleinstes Flächenträgheitsmoment des Querschnitts (1 cm⁴ = 10 000 mm⁴)mm⁴
Knicklängebei Knickfall 2 (beidseitig gelenkig) gleich der Stablänge L; sonst L_k = 2 L, 0,7 L bzw. 0,5 Lmm

Rechner

N
N/mm²
typisch: Stahl 210 000 · Aluminium 70 000
mm⁴
mm

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Grafik

Eulersche Knicklast (Knickfall 2)Beidseitig gelenkig gelagerter Druckstab (Eulerfall 2) mit L k = 3 000 mm, F k = 124 357 N, E = 210 000 N/mm², I = 540 000 mm⁴.Fk​ = 124 357 NLk​ = 3 000 mmE = 210 000 N/mm²I = 540 000 mm⁴
Beispiel: ≈ 124 000 N = 124 kN

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Pendelstütze einer Rohrbrücke aus Stahlrohr 76,1 mm × 3,6 mm (I = 54,0 cm⁴, A = 820 mm²) ist 3,0 m lang und beidseitig gelenkig gelagert. Wie groß ist die Eulersche Knicklast, und welche Druckkraft ist bei S = 3 zulässig?

  1. Schlankheit prüfen: i = √(I / A) = √(540 000 mm⁴ / 820 mm²) ≈ 25,7 mm; λ = L_k / i = 3 000 mm / 25,7 mm ≈ 117 > λ₀ ≈ 105 (S235) → Euler-Bereich, die Formel ist anwendbar.
  2. Umrechnen: E = 210 000 N/mm²; I = 54,0 cm⁴ = 540 000 mm⁴; L_k = L = 3 000 mm (Knickfall 2).
  3. Formel: F_k = π² · E · I / L_k².
  4. Einsetzen: F_k = π² · 210 000 N/mm² · 540 000 mm⁴ / (3 000 mm)² = 1,119 · 10¹² / 9 · 10⁶ N ≈ 124 400 N ≈ 124 kN.
  5. Zulässige Druckkraft bei S = 3: F_zul = F_k / 3 ≈ 41 kN. Zum Vergleich: Die Druckspannung bei 41 kN beträgt nur 41 000 N / 820 mm² ≈ 50 N/mm² – weit unter der Streckgrenze. Knicken ist maßgebend, nicht die Druckspannung.

Ergebnis: ≈ 124 000 N = 124 kN

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt nur für schlanke Stäbe im elastischen Bereich (λ > λ₀, für S235 rund 105); für gedrungene Stäbe gelten Tetmajer bzw. die Knickspannungslinien nach DIN EN 1993-1-1.
  • Knickfall 2 (beidseitig gelenkig): L_k = L. Andere Lagerungen über die Knicklänge umrechnen: Fall 1 L_k = 2 L, Fall 3 L_k ≈ 0,7 L, Fall 4 L_k = 0,5 L.
  • Stets das kleinste I des Querschnitts einsetzen; Vorkrümmungen, Außermittigkeiten und Eigenspannungen setzen die reale Traglast deutlich herab – daher hohe Sicherheiten (S = 3 bis 5).

Typische Fehler

  • Das größere statt des kleineren Flächenträgheitsmoments verwenden (z. B. I_y statt I_z bei IPE-Profilen).
  • Stablänge statt Knicklänge einsetzen, wenn die Lagerung nicht beidseitig gelenkig ist.
  • I in cm⁴ einsetzen (Faktor 10 000).

Sicherheit & Werkstoffe

2 Formeln

Sicherheit gegen Fließen

Wie weit liegt die vorhandene Spannung unter der Streckgrenze des Werkstoffs?
Umstellen nach

Die Sicherheit S gegen Fließen ist das Verhältnis aus der Streckgrenze R_e des Werkstoffs (bei Werkstoffen ohne ausgeprägte Streckgrenze die 0,2-%-Dehngrenze R_p0,2) und der im Bauteil vorhandenen Spannung σ_vorh. Sie sagt aus, um welchen Faktor die Belastung steigen dürfte, bevor der Werkstoff plastisch zu fließen beginnt. S = 1 bedeutet: Die Streckgrenze ist gerade erreicht.

Die Sicherheit deckt Unsicherheiten in Lastannahmen, Werkstoffstreuung, Fertigungstoleranzen und Rechenmodell ab. Übliche Mindestwerte gegen Fließen bei ruhender Belastung liegen im Maschinenbau bei etwa 1,2 bis 2,0; gegen Bruch (bezogen auf die Zugfestigkeit R_m) bei 2 bis 4, gegen Knicken bei 3 bis 5. Im Bauwesen wird stattdessen mit Teilsicherheitsbeiwerten auf Last- und Widerstandsseite gerechnet (Eurocodes), was im Ergebnis auf vergleichbare Gesamtsicherheiten hinausläuft.

Für σ_vorh ist bei zusammengesetzter Beanspruchung (Zug und Biegung, Biegung und Torsion) die Vergleichsspannung einzusetzen; bei reiner Schubbeanspruchung wird mit der Schubfließgrenze τ_F ≈ 0,58 · R_e verglichen.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Sicherheit gegen Fließendimensionslos; S = 1 heißt Streckgrenze erreicht–
StreckgrenzeStreckgrenze bzw. 0,2-%-Dehngrenze des Werkstoffs (siehe Tabelle)N/mm²
vorhandene Spannungberechnete Spannung im Bauteil (bei zusammengesetzter Beanspruchung die Vergleichsspannung)N/mm²

Rechner

typisch: ruhend 1,2 … 2,0
N/mm²
typisch: S235: 235 · S355: 355 · C45: ≈ 370
N/mm²

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Der Zugstab der Rohrbrücken-Abspannung aus S235 wird mit 159 N/mm² beansprucht. Wie groß ist die Sicherheit gegen Fließen?

  1. Gegeben: R_e = 235 N/mm² (S235, Mindestwert für Dicken bis 16 mm), σ_vorh = 159 N/mm².
  2. Formel: S = R_e / σ_vorh.
  3. Einsetzen: S = 235 N/mm² / 159 N/mm² ≈ 1,48.
  4. Bewertung: Für eine ruhend belastete Abspannung ist S ≈ 1,5 ein üblicher Wert. Bei schwellender oder wechselnder Belastung (z. B. aus Wind) wäre zusätzlich ein Dauerfestigkeitsnachweis zu führen.

Ergebnis: ≈ 1,48

Gültigkeit & Hinweise

  • R_e gilt für den Werkstoff im Lieferzustand und für kleine Dicken (bis 16 mm); bei größeren Dicken, Wärmebehandlung oder Schweißen kann die Streckgrenze niedriger liegen.
  • Die Formel bewertet nur das Fließen unter ruhender Last; Ermüdung (Dauerfestigkeit), Knicken und Sprödbruch erfordern eigene Nachweise.
  • Bei gekerbten Bauteilen ist die Spannungsüberhöhung an der Kerbe (Kerbwirkungszahl) zu berücksichtigen.

Typische Fehler

  • Zugfestigkeit R_m statt Streckgrenze R_e einsetzen – das überschätzt die Sicherheit gegen Fließen erheblich.
  • Bei zusammengesetzter Beanspruchung nur eine Spannungskomponente statt der Vergleichsspannung verwenden.
Verwandte Formeln:Quelle: Roloff/Matek: Maschinenelemente; Tabellenbuch Metall; Werkstoffkennwerte nach DIN EN 10025 (Textnennung)Eigene Seite

Zulässige Spannung

Welche Spannung darf ein Bauteil bei gegebener Sicherheit höchstens erreichen?
Umstellen nach

Die zulässige Spannung σ_zul ist die Streckgrenze R_e geteilt durch die geforderte Sicherheit S. Sie ist der Vergleichswert für die Bemessung: Ein Bauteil ist ausreichend dimensioniert, wenn die vorhandene Spannung σ_vorh ≤ σ_zul bleibt. Die Formel ist die Umkehrung der Sicherheitsformel und wird vor allem für die Vorbemessung genutzt – zuerst wird σ_zul festgelegt, daraus folgen der erforderliche Querschnitt (A = F / σ_zul) oder das erforderliche Widerstandsmoment (W = M_b / σ_zul).

Für Biegung wird häufig σ_b,zul, für Torsion τ_t,zul angegeben; Tabellenbücher enthalten dafür Richtwerte je nach Werkstoff und Belastungsart (ruhend, schwellend, wechselnd). Bei dynamischer Belastung wird nicht die Streckgrenze, sondern die Dauerfestigkeit als Bezugswert verwendet, und die zulässigen Werte liegen deutlich niedriger.

Schubbeanspruchungen (Abscheren, Torsion) werden näherungsweise mit τ_zul ≈ 0,58 · σ_zul bewertet (Gestaltänderungsenergie-Hypothese).

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
zulässige SpannungSpannung, die bei der gewählten Sicherheit höchstens auftreten darfN/mm²
StreckgrenzeStreckgrenze bzw. 0,2-%-Dehngrenze des Werkstoffs (siehe Tabelle)N/mm²
geforderte SicherheitSicherheitsbeiwert gegen Fließen, dimensionslos–

Rechner

N/mm²
N/mm²
typisch: S235: 235 · S355: 355 · C45: ≈ 370
typisch: ruhend 1,2 … 2,0 · Wellen 2 … 3

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Für die Antriebswelle aus C45 (normalgeglüht, R_e ≈ 370 N/mm²) wird gegen Fließen eine Sicherheit von 2,5 gefordert. Wie groß ist die zulässige Spannung?

  1. Gegeben: R_e = 370 N/mm² (C45 normalgeglüht, Richtwert), S = 2,5.
  2. Formel: σ_zul = R_e / S.
  3. Einsetzen: σ_zul = 370 N/mm² / 2,5 = 148 N/mm².
  4. Anwendung: Für Torsion folgt daraus näherungsweise τ_t,zul ≈ 0,58 · 148 N/mm² ≈ 86 N/mm². Die im Torsionsbeispiel errechneten 20,4 N/mm² liegen weit darunter – die Welle hat Reserven für Kerbwirkung und überlagerte Biegung.

Ergebnis: 148 N/mm²

Gültigkeit & Hinweise

  • Gilt für ruhende Belastung mit Bezug auf die Streckgrenze; bei schwellender oder wechselnder Last ist die Dauerfestigkeit maßgebend und σ_zul deutlich kleiner.
  • Die Streckgrenze hängt von Werkstoff, Wärmebehandlung und Bauteildicke ab – Werkstoffdatenblatt bzw. Tabellenbuch verwenden.
  • Im Bauwesen (Eurocodes) wird mit Teilsicherheitsbeiwerten statt mit einer globalen Sicherheit gerechnet.

Typische Fehler

  • Zugfestigkeit R_m statt Streckgrenze R_e einsetzen.
  • Für Schub dieselbe zulässige Spannung wie für Zug verwenden (τ_zul ≈ 0,58 · σ_zul).