Thermodynamik & Wärmeübertragung
Wärmeleitung durch eine ebene Wand (Fourier)
Welcher Wärmestrom fließt durch eine Platte oder Wand, wenn beide Oberflächen unterschiedlich warm sind?
Wärmeleitung ist der Wärmetransport im Inneren eines ruhenden Stoffs, von der warmen zur kalten Seite. Für eine ebene Wand mit der Dicke d, der Fläche A und den Oberflächentemperaturen T₁ (warm) und T₂ (kalt) liefert das Fouriersche Gesetz im stationären Zustand den Wärmestrom Q̇ = λ · A · (T₁ − T₂) / d. Die Wärmeleitfähigkeit λ (lambda) ist ein Stoffwert: Dämmstoffe liegen bei 0,02 … 0,05 W/(m·K), Beton bei rund 2, Stahl bei rund 50, Kupfer bei fast 400 W/(m·K). Der Wärmestrom je Quadratmeter (Wärmestromdichte q = Q̇/A) hängt also nur von λ, d und der Temperaturdifferenz ab.
Wichtig: T₁ und T₂ sind die Temperaturen der beiden Wandoberflächen, nicht die Luft- oder Fluidtemperaturen auf beiden Seiten. Sind nur diese bekannt, kommen die Wärmeübergänge hinzu – dann ist der Wärmedurchgangskoeffizient k (eigene Formel) das richtige Werkzeug. Typische Anwendungen sind Dämmplatten an Speichern und Kanälen, Ofen- und Behälterwände, Kühlzellen und die Abschätzung von Wärmebrücken.
Größen und Einheiten
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| Wärmestromdurch die Wand geleitete Wärmeleistung (von warm nach kalt) | W | |
| WärmeleitfähigkeitStoffwert des Wandmaterials (siehe Tabelle) | W/(m·K) | |
| Flächedurchströmte Wandfläche senkrecht zum Wärmestrom | m² | |
| Oberflächentemperatur warme SeiteTemperatur der Wandoberfläche auf der warmen Seite | °C | |
| Oberflächentemperatur kalte SeiteTemperatur der Wandoberfläche auf der kalten Seite | °C | |
| WanddickeDicke der Wand in Metern (100 mm = 0,1 m) | m |
Rechenweg
- Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.
Grafik
Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.
Beispiel
Die Seitenwand eines Pufferspeichers (Fläche 2,0 m²) ist mit 100 mm Mineralwolle (λ = 0,035 W/(m·K)) gedämmt. Die Blechoberfläche unter der Dämmung hat 60 °C, die Dämmoberfläche außen 22 °C. Welcher Wärmestrom geht durch die Dämmung verloren?
- Gegeben: λ = 0,035 W/(m·K), A = 2,0 m², T₁ = 60 °C, T₂ = 22 °C, d = 100 mm = 0,1 m. Gesucht: Q̇.
- Formel: Q̇ = λ · A · (T₁ − T₂) / d.
- Einsetzen: Q̇ = 0,035 W/(m·K) · 2,0 m² · (60 − 22) K / 0,1 m = 0,035 · 2,0 · 38 / 0,1 W = 26,6 W.
- Praxis: Das sind 13,3 W/m² Wärmestromdichte; über ein Jahr (8 760 h) gehen durch diese 2 m² rund 233 kWh verloren. Ohne Dämmung wäre der Verlust um ein Vielfaches höher.
Ergebnis: 26,6 W (≈ 13,3 W/m²)
Gültigkeit & Hinweise
- Gilt im stationären Zustand (Temperaturen zeitlich konstant), für eine homogene Wand und eindimensionalen Wärmestrom (Randeffekte vernachlässigt).
- T₁ und T₂ sind Oberflächentemperaturen. Mit Luft- bzw. Fluidtemperaturen auf beiden Seiten den Wärmedurchgangskoeffizienten k verwenden.
- λ ist temperatur- und feuchteabhängig; für Dämmstoffe den Bemessungswert des Herstellers (λ_B) verwenden.
- Für mehrere Schichten addieren sich die Wärmedurchlasswiderstände R = d/λ; der Wärmestrom ist dann Q̇ = A · (T₁ − T₂) / ΣR.
Typische Fehler
- d in Millimetern statt Metern einsetzen – der Wärmestrom wird dann um den Faktor 1 000 zu klein.
- Lufttemperaturen statt Oberflächentemperaturen verwenden; das überschätzt den Wärmestrom, vor allem bei dünnen oder gut leitenden Wänden.