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Thermodynamik & Wärmeübertragung

Wärmestrahlung (Stefan-Boltzmann-Gesetz)

Wie viel Wärme strahlt eine Oberfläche allein aufgrund ihrer Temperatur ab?

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Jede Oberfläche sendet Wärmestrahlung aus – elektromagnetische Strahlung im Infrarotbereich, die kein Trägermedium braucht. Nach dem Stefan-Boltzmann-Gesetz ist die abgestrahlte Leistung proportional zur Fläche A und zur vierten Potenz der absoluten Temperatur T in Kelvin. Der Emissionsgrad ε (epsilon, 0 … 1) beschreibt, wie stark die Oberfläche im Vergleich zum idealen „schwarzen Körper“ (ε = 1) strahlt: Lacke, Putz, Beton, Glas und oxidierter Stahl liegen bei 0,8 … 0,95, blanke Metalle nur bei 0,04 … 0,3. Die Stefan-Boltzmann-Konstante σ (sigma) beträgt 5,67 · 10⁻⁸ W/(m²·K⁴).

Die Formel liefert die Emission einer Oberfläche. Der Netto-Wärmeverlust an eine Umgebung mit der Temperatur T_U ist kleiner, weil die Fläche zugleich Strahlung aus der Umgebung aufnimmt: Q̇_netto = ε · σ · A · (T⁴ − T_U⁴) für einen kleinen Körper in großer Umgebung. Wegen der vierten Potenz dominiert die Strahlung bei hohen Temperaturen (Öfen, Abgasrohre, Strahlungsheizungen, Glühkörper); bei Raumtemperaturen ist sie etwa so groß wie die freie Konvektion und bestimmt die empfundene Temperatur vor kalten Fenstern oder Wandheizungen.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Strahlungsleistungvon der Oberfläche abgestrahlte Wärmeleistung (Emission, ohne Gegenstrahlung der Umgebung)W
Emissionsgrad0 … 1; schwarzer Körper 1, Lack/Putz ≈ 0,9, blankes Aluminium ≈ 0,05 (siehe Tabelle)–
Stefan-Boltzmann-KonstanteNaturkonstante 5,67 · 10⁻⁸ W/(m²·K⁴)W/(m²·K⁴)
strahlende FlächeOberfläche des Körpersm²
absolute OberflächentemperaturTemperatur der Oberfläche in Kelvin: T = ϑ + 273,15K

Rechner

W
typisch: Lack/Putz 0,9 … 0,95 · Stahl oxidiert 0,8 · Aluminium blank 0,05
W/(m²·K⁴)
m²
typisch: 0,01 … 100
K
typisch: 280 … 1 500

Ergebnis

Rechenweg

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GrafikStrahlungsleistung über der absoluten Temperatur (T⁴)

Strahlungsleistung über der absoluten Temperatur (T⁴)Arbeitspunkt bei T = 473,1 K und Q̇ = 5 115 W.010 00015 00020 00025 0000200600800T in KQ̇ in W5 115473,1
Beispiel: ≈ 5 115 W (netto gegen 20 °C ≈ 4 360 W)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Die Außenwand eines Industrieofens hat 2,0 m² Fläche, eine Oberflächentemperatur von 200 °C und einen Emissionsgrad von 0,9 (oxidiertes Stahlblech). Welche Leistung strahlt die Wand ab?

  1. Gegeben: ε = 0,9, σ = 5,67 · 10⁻⁸ W/(m²·K⁴), A = 2,0 m², T = 200 °C + 273,15 = 473,15 K. Gesucht: Q̇.
  2. Formel: Q̇ = ε · σ · A · T⁴.
  3. Einsetzen: T⁴ = 473,15⁴ K⁴ ≈ 5,012 · 10¹⁰ K⁴; Q̇ = 0,9 · 5,67 · 10⁻⁸ W/(m²·K⁴) · 2,0 m² · 5,012 · 10¹⁰ K⁴ ≈ 5 115 W.
  4. Netto an die Halle (20 °C = 293,15 K): Q̇_netto = 0,9 · 5,67 · 10⁻⁸ · 2,0 · (473,15⁴ − 293,15⁴) W ≈ 4 360 W – die Umgebung strahlt rund 750 W zurück.
  5. Praxis: Eine blanke Aluminium-Verkleidung (ε ≈ 0,05) würde die Abstrahlung auf etwa ein Zwanzigstel senken.

Ergebnis: ≈ 5 115 W (netto gegen 20 °C ≈ 4 360 W)

Gültigkeit & Hinweise

  • T muss in Kelvin eingesetzt werden; die vierte Potenz macht den Fehler bei °C riesig.
  • Die Formel gibt die Emission an. Der Netto-Austausch mit einer Umgebung der Temperatur T_U ist Q̇ = ε · σ · A · (T⁴ − T_U⁴) (kleiner Körper in großer Umgebung); zwischen zwei großen parallelen Flächen gehen beide Emissionsgrade ein.
  • ε gilt für den „grauen Strahler“ (wellenlängenunabhängig) – für technische Oberflächen eine gute Näherung.
  • Für kleine Temperaturdifferenzen bei Raumtemperatur lässt sich die Strahlung näherungsweise als α_S ≈ 4 · ε · σ · T_m³ ≈ 5 W/(m²·K) (bei ε = 0,9, 20 °C) linearisieren.

Typische Fehler

  • °C statt K einsetzen.
  • Die Emission mit dem Nettoverlust gleichsetzen und die Gegenstrahlung der Umgebung vergessen.
  • ε aus der sichtbaren Farbe ableiten – im Infraroten strahlen weiße und schwarze Anstriche fast gleich, nur blanke Metalle strahlen schwach.
Verwandte Formeln:Quelle: Grundlagen der Wärmeübertragung (z. B. Baehr/Stephan), VDI-Wärmeatlas; σ nach CODATA