Heizlast aus dem Jahresheizwärmebedarf (Vollbenutzungsstunden)
Heizlast überschlägig aus dem Verbrauch – die Standardmethode bei der Wärmepumpen-Vorplanung.
Die Vollbenutzungsstunden b_VH verknüpfen Jahresheizwärmebedarf und Heizlast: Würde der Wärmeerzeuger b_VH Stunden im Jahr mit voller Leistung laufen, hätte er genau den Jahresbedarf gedeckt. Für Wohngebäude in Deutschland liegt b_VH bei rund 1 600 … 2 100 h/a (VDI 2067; höhere Werte in kalten Regionen und bei durchgehend beheizten Gebäuden). Damit lässt sich aus dem Verbrauch der letzten Jahre die Heizlast abschätzen – und umgekehrt aus einer berechneten Heizlast der zu erwartende Jahresbedarf.
In der Beratungspraxis ist das die schnellste Plausibilitätsprüfung vor einem Heizungstausch: Gasverbrauch um den Warmwasseranteil bereinigen, mit dem Kesselnutzungsgrad in Nutzwärme umrechnen, durch die Vollbenutzungsstunden teilen. Das Ergebnis liegt bei Bestandsgebäuden oft deutlich unter der Nennleistung des alten Kessels, der in der Regel überdimensioniert ist.
Größen und Einheiten
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| Heizlastüberschlägige Gebäudeheizlast | kW | |
| JahresheizwärmebedarfNutzwärme für die Raumheizung (Verbrauch × Nutzungsgrad, ohne Warmwasser) | kWh/a | |
| VollbenutzungsstundenWohngebäude ≈ 1 600 … 2 100 h/a (VDI 2067) | h/a |
Rechenweg
- Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.
GrafikHeizlast über den Vollbenutzungsstunden
Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.
Beispiel
Ein teilsaniertes Einfamilienhaus verbraucht im Mittel 25 000 kWh Erdgas je Jahr, davon rund 3 000 kWh für Warmwasser; der Niedertemperaturkessel hat einen Jahresnutzungsgrad von 0,85. Welche Heizlast ist für die geplante Wärmepumpe zu erwarten (b_VH = 1 900 h/a)?
- Gasverbrauch für die Heizung: 25 000 − 3 000 = 22 000 kWh/a (Endenergie).
- Nutzwärme: Q_h = 22 000 kWh/a · 0,85 = 18 700 kWh/a.
- Gegeben: b_VH = 1 900 h/a.
- Φ_HL = 18 700 kWh/a / 1 900 h/a = 9,84 kW.
- Einordnung: Die Wärmepumpe wäre mit etwa 10 kW Heizleistung (bei Normaußentemperatur) zu planen; der vorhandene 24-kW-Kessel ist mehr als doppelt überdimensioniert. Für die Bestellung ist die raumweise Heizlast nach DIN/TS 12831-1 nachzurechnen.
Ergebnis: 9,84 kW
Gültigkeit & Hinweise
- Überschlagsverfahren; Vollbenutzungsstunden nach VDI 2067 bzw. Erfahrungswerten (Einfamilienhaus etwa 1 600 … 2 100 h/a, Mehrfamilienhaus eher 1 800 … 2 300 h/a). Witterungsbereinigte Verbräuche mehrerer Jahre verwenden.
- Q_h ist Nutzwärme: Endenergieverbrauch um Warmwasser bereinigen und mit dem Jahresnutzungsgrad des alten Kessels multiplizieren (Brennwert ≈ 0,95, Niedertemperatur ≈ 0,85, alter Standardkessel ≈ 0,75).
- Bei Nutzerverhalten mit Teilbeheizung (nur einzelne Räume geheizt) wird die Heizlast unterschätzt – nach Sanierung oder Nutzerwechsel steigt der Bedarf.
Typische Fehler
- Endenergie (Gas in kWh) direkt als Nutzwärme einsetzen.
- Warmwasseranteil nicht abziehen (typisch 10 … 20 % des Verbrauchs).