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Gebäudeenergieberatung

Innenoberflächentemperatur eines Bauteils

Wie kalt wird die Wandoberfläche innen? Grundlage für den Schimmelnachweis.

Umstellen nach

Die Temperatur der raumseitigen Bauteiloberfläche θ_si liegt immer unter der Raumlufttemperatur, weil der Wärmeübergang von der Luft an die Oberfläche einen Widerstand R_si hat. Der Temperaturabfall an der Oberfläche ist proportional zum Wärmestrom durch das Bauteil, also zu U · (θ_i − θ_e), multipliziert mit R_si. Je schlechter das Bauteil gedämmt ist, desto kälter wird die Oberfläche.

Für den Schimmelschutz ist das die entscheidende Größe: Schimmelpilze wachsen, wenn die relative Luftfeuchte an der Oberfläche über längere Zeit etwa 80 % überschreitet. Bei 20 °C und 50 % Raumluftfeuchte ist das ab einer Oberflächentemperatur von etwa 12,6 °C der Fall. DIN 4108-2 rechnet den Nachweis deshalb mit einem erhöhten Übergangswiderstand R_si = 0,25 m²·K/W (für Möbel, Vorhänge und Raumecken) und θ_e = −5 °C. Für den normalen Wärmeschutznachweis (U-Wert) gilt dagegen R_si = 0,13 m²·K/W nach DIN EN ISO 6946; der Wert ist hier als Konstante vorbelegt und kann geändert werden.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
InnenoberflächentemperaturTemperatur der raumseitigen Bauteiloberfläche°C
InnentemperaturRaumlufttemperatur (Schimmelnachweis: 20 °C)°C
AußentemperaturAußenlufttemperatur (Schimmelnachweis nach DIN 4108-2: −5 °C)°C
WärmedurchgangskoeffizientU-Wert des Bauteils bzw. der betrachteten StelleW/(m²·K)
innerer Wärmeübergangswiderstand0,25 für den Schimmelnachweis (DIN 4108-2); 0,13 für den Wärmeschutz (DIN EN ISO 6946)m²·K/W

Rechner

°C
°C
typisch: 20
°C
typisch: −5
W/(m²·K)
m²·K/W

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

GrafikInnenoberflächentemperatur über der Außentemperatur

Innenoberflächentemperatur über der AußentemperaturArbeitspunkt bei θ_e = −5 °C und θ_si = 11,88 °C. Kurven für U = 1,3 (ungedämmt), U = 0,6, U = 0,2 (gedämmt).05101520−15−10051015θe​ in °Cθsi​ in °C11,88−5U = 1,3 (ungedämmt)U = 0,6U = 0,2 (gedämmt)
Beispiel: 11,9 °C

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

In einem Schlafzimmer des Einfamilienhauses von 1975 zeigt sich Schimmel an der Außenwand (U = 1,30 W/(m²·K)). Welche Oberflächentemperatur stellt sich unter den Randbedingungen des Schimmelnachweises nach DIN 4108-2 (θ_i = 20 °C, θ_e = −5 °C, R_si = 0,25 m²·K/W) ein?

  1. Gegeben: θ_i = 20 °C, θ_e = −5 °C, U = 1,30 W/(m²·K), R_si = 0,25 m²·K/W.
  2. Temperaturdifferenz: θ_i − θ_e = 20 − (−5) = 25 K.
  3. Temperaturabfall an der Oberfläche: U · R_si · Δθ = 1,30 · 0,25 · 25 = 8,125 K.
  4. θ_si = 20 °C − 8,125 K = 11,9 °C.
  5. Bewertung: 11,9 °C liegt unter den 12,6 °C, bei denen die Luftfeuchte an der Oberfläche (bei 20 °C / 50 %) 80 % erreicht – Schimmelgefahr auch ohne Baumangel; Abhilfe schafft nur Dämmung (nach Sanierung mit U = 0,20: θ_si = 20 − 0,20 · 0,25 · 25 = 18,75 °C).

Ergebnis: 11,9 °C

Gültigkeit & Hinweise

  • Eindimensionale Betrachtung in der Fläche; in Raumecken, an Fensterlaibungen und bei Wärmebrücken liegt θ_si tiefer – dort ist der Nachweis über den Temperaturfaktor f_Rsi aus Wärmebrückenberechnung oder Beiblatt 2 zu führen.
  • Randbedingungen nach DIN 4108-2 für den Schimmelnachweis: θ_i = 20 °C, φ_i = 50 %, θ_e = −5 °C, R_si = 0,25 m²·K/W; Anforderung θ_si ≥ 12,6 °C bzw. f_Rsi ≥ 0,70.
  • Für den normalen Wärmeschutz (U-Wert-Berechnung) gilt R_si = 0,13 m²·K/W (horizontal); der Wert ist änderbar.
  • Die Umstellung nach θ_i ist nur sinnvoll, wenn U · R_si < 1 ist (bei R_si = 0,25 also U < 4 W/(m²·K)).

Typische Fehler

  • R_si = 0,13 für den Schimmelnachweis verwenden – das liefert zu hohe Oberflächentemperaturen und ein zu günstiges Ergebnis.
  • θ_e als Betrag (5 statt −5) einsetzen.
Verwandte Formeln:Quelle: DIN 4108-2 (Mindestwärmeschutz, Schimmelnachweis); DIN EN ISO 6946; DIN EN ISO 13788