Zum Inhalt springen

Gebäudeenergieberatung

Taupunkttemperatur (Magnus-Formel)

Ab welcher Oberflächentemperatur kondensiert Raumluft mit gegebener Temperatur und Feuchte?

Umstellen nach

Die Taupunkttemperatur θ_τ ist die Temperatur, auf die feuchte Luft abgekühlt werden muss, bis sie mit Wasserdampf gesättigt ist (relative Feuchte 100 %). Ist eine Bauteiloberfläche kälter als der Taupunkt der Raumluft, fällt dort Tauwasser aus – an Fensterscheiben, Fensterlaibungen oder ungedämmten Wärmebrücken. Die Berechnung beruht auf der Magnus-Formel für den Sättigungsdampfdruck über Wasser mit den Koeffizienten 17,62 und 243,12 °C (gültig für etwa −45 °C bis +60 °C).

Mit der Hilfsgröße a = ln(φ/100) + 17,62 · θ / (243,12 + θ) ergibt sich θ_τ = 243,12 · a / (17,62 − a). Die Umkehrung liefert die relative Feuchte, bei der eine gegebene Oberflächentemperatur gerade zum Taupunkt wird – praktisch für die Beratung: Wie feucht darf die Raumluft bei 20 °C sein, damit ein Fenster mit 9 °C Scheibentemperatur nicht beschlägt? Für den Schimmelschutz gilt die schärfere Grenze von 80 % relativer Feuchte an der Oberfläche (siehe Innenoberflächentemperatur).

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
TaupunkttemperaturTemperatur, bei der die Luft gesättigt ist (φ = 100 %)°C
LufttemperaturTemperatur der Raumluft°C
relative Luftfeuchterelative Feuchte der Raumluft%

Rechner

°C
°C
typisch: 18 … 24
%
typisch: 40 … 60

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

GrafikTaupunkttemperatur über der relativen Luftfeuchte

Taupunkttemperatur über der relativen LuftfeuchteArbeitspunkt bei φ = 50% und θ_τ = 9,255 °C. Kurven für 18 °C, 20 °C, 24 °C.−50515202520406080100φ in %θτ​ in °C9,2555018 °C20 °C24 °C
Beispiel: 9,3 °C

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Im Wohnzimmer herrschen 20 °C und 50 % relative Luftfeuchte. Bei welcher Oberflächentemperatur beschlagen die alten Isolierglasfenster?

  1. Gegeben: θ = 20 °C, φ = 50 %.
  2. Hilfsgröße: a = ln(50/100) + 17,62 · 20 / (243,12 + 20) = −0,6931 + 352,4 / 263,12 = −0,6931 + 1,3393 = 0,6462.
  3. θ_τ = 243,12 · 0,6462 / (17,62 − 0,6462) = 157,10 / 16,974 = 9,26 °C.
  4. Bewertung: Scheiben mit weniger als 9,3 °C Oberflächentemperatur beschlagen. Bei einem alten Isolierglas (U_g ≈ 2,8) liegt die Scheibeninnentemperatur bei −5 °C außen etwa bei 20 − 2,8 · 0,13 · 25 ≈ 10,9 °C – knapp darüber; bei 60 % Raumluftfeuchte (θ_τ = 12,0 °C) beschlägt es sicher.

Ergebnis: 9,3 °C

Gültigkeit & Hinweise

  • Magnus-Formel mit den Koeffizienten 17,62 und 243,12 °C (Sonntag 1990) über Wasser; Gültigkeit etwa −45 °C bis +60 °C, Abweichung unter 0,1 K im Bauklima-Bereich.
  • Tauwasser (100 % an der Oberfläche) ist das Kriterium für Fensterscheiben und Metallteile; für Schimmel auf saugfähigen Oberflächen gilt die strengere Grenze von 80 % relativer Feuchte (DIN 4108-2: θ_si ≥ 12,6 °C bei 20 °C/50 %).
  • Bei Temperaturen unter 0 °C ist streng genommen der Sättigungsdampfdruck über Eis maßgebend (Frostpunkt); für Innenraumfragen ohne Bedeutung.

Typische Fehler

  • φ als Dezimalzahl (0,5) statt in Prozent (50) eingeben.
  • Dekadischen statt natürlichen Logarithmus verwenden.
Verwandte Formeln:Quelle: Magnus-Formel (Sonntag 1990), z. B. nach DIN 4108-3 / Bauphysik-Lehrbücher