Temperaturfaktor f_Rsi
Dimensionslose Kennzahl für die Oberflächentemperatur – Mindestanforderung f_Rsi ≥ 0,70.
Der Temperaturfaktor f_Rsi setzt die Differenz zwischen Innenoberflächen- und Außentemperatur ins Verhältnis zur Differenz zwischen Innen- und Außenlufttemperatur. Er ist dimensionslos und unabhängig von den konkreten Temperaturen – ein Bauteil mit f_Rsi = 0,70 hat bei jeder Wetterlage 70 % der gesamten Temperaturdifferenz „auf der warmen Seite“ der Oberfläche. Der Faktor ist damit die ideale Kenngröße, um Wärmebrücken und Bauteilanschlüsse zu bewerten; er wird aus Wärmebrückenberechnungen, aus DIN 4108 Beiblatt 2 oder aus Thermografie-Messungen abgeleitet.
DIN 4108-2 fordert für den Mindestwärmeschutz an jeder Stelle der Gebäudehülle f_Rsi ≥ 0,70. Das entspricht unter den Normrandbedingungen (20 °C, −5 °C) einer Oberflächentemperatur von 12,6 °C und begrenzt das Schimmelrisiko bei 50 % Raumluftfeuchte. In der Energieberatung hilft der Faktor, Messwerte aus der Thermografie einzuordnen: Oberflächentemperatur, Raum- und Außentemperatur messen, f_Rsi berechnen, mit 0,70 vergleichen.
Größen und Einheiten
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| Temperaturfaktordimensionslos; Anforderung nach DIN 4108-2: ≥ 0,70 | – | |
| Innenoberflächentemperaturgemessen oder berechnet an der betrachteten Stelle | °C | |
| InnentemperaturRaumlufttemperatur (Norm: 20 °C) | °C | |
| AußentemperaturAußenlufttemperatur (Norm: −5 °C) | °C |
Rechenweg
- Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.
Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.
Beispiel
Bei einer Thermografie-Aufnahme in einer Außenwandecke wird eine Oberflächentemperatur von 13,5 °C gemessen; die Raumluft hat 20 °C, die Außenluft −5 °C. Erfüllt die Ecke die Mindestanforderung f_Rsi ≥ 0,70?
- Gegeben: θ_si = 13,5 °C, θ_i = 20 °C, θ_e = −5 °C.
- Zähler: θ_si − θ_e = 13,5 − (−5) = 18,5 K. Nenner: θ_i − θ_e = 20 − (−5) = 25 K.
- f_Rsi = 18,5 K / 25 K = 0,74.
- Bewertung: 0,74 ≥ 0,70 – die Anforderung der DIN 4108-2 ist erfüllt. Die zugehörige Grenz-Oberflächentemperatur wäre θ_si = −5 + 0,70 · 25 = 12,5 °C (gerundet 12,6 °C nach Norm).
Ergebnis: 0,74 (≥ 0,70 erfüllt)
Gültigkeit & Hinweise
- Mindestanforderung nach DIN 4108-2: f_Rsi ≥ 0,70 an jeder Stelle der wärmeübertragenden Umfassungsfläche (Randbedingungen 20 °C / 50 % / −5 °C, R_si = 0,25 m²·K/W).
- Bei Messungen muss sich ein stationärer Zustand eingestellt haben (mehrere kalte Tage, keine Sonneneinstrahlung, keine Heizkörper direkt an der Messstelle); sonst sind die Werte nicht vergleichbar.
- Der Faktor hängt nur vom Bauteil ab, nicht von den Temperaturen – deshalb können Messwerte bei beliebigem Wetter auf die Normrandbedingungen umgerechnet werden.
- Die Umstellung nach θ_e ist nur für f_Rsi < 1 definiert.
Typische Fehler
- Oberflächentemperatur in der Fläche statt an der kritischen Stelle (Ecke, Laibung, Sturz) ansetzen.
- Vorzeichen der Außentemperatur verlieren.