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Thermodynamik & Wärmeübertragung

Leistungszahl der Wärmepumpe (Carnot-Grenze)

Welche Leistungszahl kann eine Wärmepumpe bei gegebener Quellen- und Vorlauftemperatur höchstens erreichen?

Umstellen nach

Eine Wärmepumpe hebt Wärme von einer kalten Quelle (Außenluft, Erdreich, Grundwasser) auf das Temperaturniveau der Heizung. Die Leistungszahl ε (auch COP) gibt an, wie viel Heizwärme je eingesetzter Antriebsarbeit geliefert wird. Ihre theoretische Obergrenze ist die Carnot-Leistungszahl ε_WP = T_w / (T_w − T_k), mit der absoluten Temperatur T_w der Wärmeabgabe (Heizungsvorlauf bzw. Kondensation) und T_k der Wärmeaufnahme (Quelle bzw. Verdampfung). Entscheidend ist der Temperaturhub T_w − T_k: Je kleiner er ist, desto höher die Leistungszahl – deshalb sind niedrige Vorlauftemperaturen (Fußbodenheizung) und warme Quellen (Erdreich, Grundwasser) so wirksam.

Reale Wärmepumpen erreichen etwa 40 … 55 % des Carnot-Werts (Gütegrad), weil Verdichter, Wärmeübertrager und Druckverluste Verluste verursachen und das Kältemittel einige Kelvin kälter verdampfen bzw. wärmer kondensieren muss als Quelle und Senke. Als Faustwert gilt daher ε_real ≈ 0,45 · ε_WP. Für Kältemaschinen gilt entsprechend ε_K = T_k / (T_w − T_k) = ε_WP − 1.

Größen und Einheiten

SymbolBedeutungEinheit
Carnot-Leistungszahl (Wärmepumpe)theoretische Obergrenze der Leistungszahl (dimensionslos); real etwa 40 … 55 % davon–
absolute Temperatur der Wärmeabgabe (Senke)Vorlauf- bzw. Kondensationstemperatur in Kelvin (ϑ + 273,15)K
absolute Temperatur der WärmequelleQuellen- bzw. Verdampfungstemperatur in Kelvin (Außenluft, Sole, Grundwasser)K

Rechner

typisch: 5 … 15
K
typisch: 300 … 340
K
typisch: 255 … 290

Ergebnis

Rechenweg

  1. Werte eintragen, eine Größe leer lassen, „Lösen“ drücken.

GrafikCarnot-Leistungszahl über der Quellentemperatur (−30 … +25 °C)

Carnot-Leistungszahl über der Quellentemperatur (−30 … +25 °C)Arbeitspunkt bei T_k = 275,1 K und ε_WP = 9,338.02030250260270290Tk​ in KεWP​9,338275,1
Beispiel: ≈ 9,3 (real etwa 4,2)

Ergebnis ohne Gewähr – ersetzt keine Fachplanung.

Beispiel

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe versorgt eine Fußbodenheizung mit 35 °C Vorlauf; die Außenluft hat 2 °C. Welche Leistungszahl ist theoretisch möglich, und welcher reale Wert ist zu erwarten?

  1. Gegeben: T_w = 35 °C + 273,15 = 308,15 K; T_k = 2 °C + 273,15 = 275,15 K. Gesucht: ε_WP.
  2. Formel: ε_WP = T_w / (T_w − T_k).
  3. Einsetzen: ε_WP = 308,15 K / (308,15 K − 275,15 K) = 308,15 / 33 ≈ 9,34.
  4. Realistisch: Mit einem Gütegrad von etwa 45 % ergibt sich ε_real ≈ 0,45 · 9,34 ≈ 4,2 – das entspricht dem Betriebspunkt A2/W35 guter Geräte.
  5. Vergleich: Bei 55 °C Vorlauf (Radiatoren) sinkt ε_WP auf 328,15 / 53 ≈ 6,2 und der reale Wert auf rund 2,8.

Ergebnis: ≈ 9,3 (real etwa 4,2)

Gültigkeit & Hinweise

  • Theoretische Obergrenze; reale Wärmepumpen erreichen etwa 40 … 55 % davon (Gütegrad), Faustwert ε_real ≈ 0,45 · ε_WP.
  • Beide Temperaturen in Kelvin; T_w muss größer als T_k sein. Für den Kältemittelkreis liegen Verdampfungs- und Kondensationstemperatur zusätzlich etwa 3 … 8 K außerhalb von Quellen- und Senkentemperatur.
  • Kältemaschine (Nutzen = Kälte): ε_K = T_k / (T_w − T_k) = ε_WP − 1.
  • Die über das Jahr gemittelte Leistungszahl heißt Jahresarbeitszahl (JAZ); sie ist niedriger als die Leistungszahl im günstigsten Betriebspunkt.

Typische Fehler

  • °C statt K einsetzen – das Ergebnis wäre völlig falsch (35 / 33 ≈ 1,06).
  • Carnot-Wert als Herstellerangabe oder JAZ interpretieren.
Verwandte Formeln:Quelle: Grundlagen der Thermodynamik (z. B. Cerbe/Wilhelms), Recknagel/Sprenger